Review: Threepenny Opera im National Theatre

London-Theater-Trip Teil 2

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Juchu. Ich war endlich im National Theatre. Juchu. Ich habe endlich Rory Kinnear auf der Bühne gesehen. Juchu. Das hat Spaß gemacht.

In der 12. Klasse haben wir im Kunstunterricht als Projekt ein Bühnenbild für Brechts Dreigroschenoper entwerfen müssen. Dafür haben wir uns intensiv mit dem Stück und Brechts Theaterverständnis auseinander gesetzt. Habe ich gerne gemacht. Ich hatte auch eine richtige Brecht-Phase zu der Zeit. Ich war nach den paar Jahren (*hust*) nun doch sehr erstaunt, wie gut ich die Lieder (Melodie & Text) noch im Kopf hatte. Wenn Kinnear auf englisch sang ging es im Kopf auf deutsch weiter: „Soldaten wohnen auf den Kanonen…“Das hat mir schon Freude gemacht. Rufus Norris‘ Inszenierung der neuen Adaption von Simon Stephens ist absolut großartig und wirkt wie Brecht aus dem Lehrbuch. Das meine ich als Kompliment.

Von außen ist das National Theatre eine Abscheulichkeit in Beton. Aber von den Terrassen aus hat man eine schöne Sicht auf die Stadt.

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Das Olivier Theatre im National gefällt mir sehr gut. Eine runde Bühne und das Publikum im Halbrund drum herum. Unsere Sicht war wirklich gut. Das Bühnenbild von Vicki Mortimer, ganz im Sinne des Verfremdungseffektes angepasst, war wirklich gut.

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Holzwände mit dünnen Leinwänden bespannt, die immer präsent zeigen „Dies ist ein Bühnenbild“, um jegliche Illusion gleich zu zerstören. Dazu Treppengestelle. Und natürlich die Kleiderstangen von Peachums Bettlertruppe. Das Spiel Theater als unwirklich zu entlarven, hat mir mit seinen Einfällen Spaß gemacht. Auf einer Plane steht beispielsweise „Big flag for scene 7“, die dann natürlich in Szene 7 auch ausgewickelt wird. Bei der Nennung eines großen pinkfarbenen Umschlags wird eben ein solcher mit der Aufschrift „big pink envelope“ gezückt. Ich fand, dass bei Bühnenbild und Kostümen schon deutlich wurde mit wie viel Witz, Kreativität und Brechtverständnis an das Stück gegangen wurde. Da war mächtig was los auf der Bühne. Und das nicht nur wegen der effektvollen Kulisse und den übertriebenen Kostümen (Peachum in High Heels und Perücke etwa), sondern natürlich auch wegen der Band, die elementare Bestandteil des Stückes ist. Ist ja schließlich eine Oper. Stephens hat Brechts 1928 uraufgeführtes Theaterstück um Korruption zwischen Mensch, Politik und Gesellschaft, etwas modernisiert und somit auch vulgarisiert. Das Wort „cock“ fällt da schon das ein oder andere Mal. Ansonsten blieb der Text, bzw. die Musik der Star der Show.

Rory Kinnear ist sicherlich nicht der begnadetste Sänger der Welt, aber er hat mich in der Rolle des Gangsterbosses und Frauenhelden Macheath überzeugt. In blauem Anzug und mit fiesem Schnurrbärtchen schwebt er zu Beginn mit Polly Peachum auf einer Mondsichel sitzend („Do you see the moon over Soho?“) hinab und ich bin schnell angetan. Er ist charmant und fast empfindet man Mitleid mit Macheath als sich das Blatt beginnt gegen ihn zu wenden. Aber auch nur fast. Es ist insgesamt ein hervorragendes Ensemble, dass sich für diese Produktion zusammengetan hat. Ich habe sehr gelacht und ich fand die Songs gut vorgetragen. Stimmlich am besten hat dies Rosalie Craig als Polly Peachum gemacht. Sie hat das ja wohl auch gelernt.

Was mir auch sehr gefiel: Macheath‘ Gangstertruppe, die hier aussah wie die vier Daltons. Einer der Darsteller, Jamie Beddard, ist köperbehindert und sitzt im Rollstuhl. Auch ist seine Aussprache schwer zu verstehen. Was man aber sofort bemerkte, war seine unbändige Spielfreude. Er hat das Publikum schnell auf seine Seite gezogen. Von solchen Chancen für behinderte Schauspieler würde ich mir in Zukunft mehr wünschen. Ich habe es übrigens geliebt, als Macheath auf Ausführungen von Beddards Charakter reagiert, indem er ihn seiner Sprachstörung imitiert, um zu sagen „I didn’t understand a word you said!“

Überhaupt ist die Threepenny Opera umwerfend komisch. Aber hinter all den Lachern fällt nicht über Bord, dass die Thematik so gut funktioniert wie eh und je. Der Mensch ist halt nicht gut, so ist dann auch das Fazit zum Ende als Peachum „Das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens“ anstimmt:

„Man alas! is very bad

so hit him on the hat

when you’ve hit him on his hat

Perhaps he won’t be quite so bad“

Stage Door

Das war also ein sehr vergnüglicher Abend mit Brecht pur und einem fantastischen Ensemble (inklusive Band).

Die Singende Lehrerin wollte sich gern noch ein Autogramm von Herrn Kinnear holen, so sind wir danach noch zur Stage Door getigert. Einmal ganz rum um das National mussten wir dafür. Der gute Mann hat sich Zeit gelassen. Viel Zeit. Vor der Tür waren nur 5 Leutchen und einer von ihnen hat auf Elizabeth McGovern (Downton Abbey) gewartet. Als sie herauskam war ich ziemlich erschrocken, wie schlecht sie aussah. So dünn und irgendwie ausgemergelt. Oi. Später war dann auch Rory Kinnear soweit nach Hause zu gehen, dass sich die Lehrerin mit ihm knipsen lassen konnte, ihm ein paar Komplimente machte und sich ein Autogramm holen konnte. Erfolg. Kinnear machte auf mich einen sehr entspannten und überaus freundlichen Eindruck. Und: In echt ist das wirklich ein ganz Hübscher. Der hat eine gute Ausstrahlung. 🙂 Mein Lieblingsmoment war der, als er sich einfach seine großen Kopfhörer aufsetzte, Hände in die Hosentaschen vergrub und davonspazierte. So lässig.

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