Oper im Pott: Der Fliegende Holländer in der Bergarena auf der Halde Haniel

Nach Bottrop zieht einen ja ehrlich gesagt erstmal nix. Aber als Halden- und Musikliebhaberin war ich von der Idee eine Oper auf der Halde anzuschauen schnell angetan.

Wir haben zum Aufstieg den Shuttle verschmäht und sind in gut 40 Minuten die Halde hochgekraxelt. Mag ich, mag ich, mag ich.

halde haniel

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Angekommen an der Bergarena standen dort schon viele Container. Ich als altes Hafenstadtkind bin bei so einer Ansicht immer entzückt!

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Die Bergarena ist nicht besonders groß, dennoch passen gut 1.000 Leute hinein.

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Man bekam Sitzkissen gestellt und während man auf den Vorstellungsbeginn wartete, wurde gepicknickt. Das Wetter war perfekt. Alles super.

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Ich habe den Holländer schon einmal gesehen und fand es damals so lala. Die Story rund um Senta, die den verfluchten niederländischen Seemann von seinem Schicksal erlöst, ewig auf See zu sein, hat mich nicht begeistert. Auch an diesem Abend gelingt es nicht mich für Wagners Oper einzunehmen, was leider, leider, vor allem an den Leistungen des Ensembles lag. Dabei waren die jetzt sooo schlecht auch nicht, aber mir hat da etwas gefehlt. Da war so wenig Leidenschaft. Gerade bei Senta, die nicht überzeugend darstellen konnte, wie sehr sie sich zum Holländer hingezogen fühlt und in sich spürt, ihn erlösen zu müssen. Da hat mir ihr Gegenpart schon besser gefallen, der zu Beginn der Oper mit seinem Schicksal hadert, denn alle sieben Jahre geht er an Land, um eine Frau zu finden, die ihn erlöst: „Die Frist ist um…“ Auch Sentas Vater Daland hat mich mehr überzeugt, als die weibliche Hauptfigur, die meist am Boden kauerte oder einfach nur herumstand. Das Orchester war hingegen sehr gut, wenn auch oft „zu laut“, sodass man die Protagonisten nicht sehr gut verstand. Der Chor, dessen Besetzung teils hinter mir stand, sang nicht wirklich harmonisch. Da war der eine schon schneller als der andere, dazu dann die Verzögerung über die Lautsprecher, sodass es in meinen Ohren dissonant klang.

Es war dennoch ein schöner Abend und ich muss das Set-Design sehr loben. Rechts und links um die Arena waren Container angeordnet, die Schiffe darstellen sollten. Das fand ich super und es hat hervorragend funktioniert. Natürlich wurden auch die blutroten Segel des Holländers gesetzt.

halde haniel

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Verwirrt war ich von den schrillen Outfits der Frauen: in knallbunten Kostümen, waren sie freakige Aufziehpüppchen, die aussahen, wie aus einem Tim-Burton-Film entsprungen. Ein Blick in das Programmheft zeigt: Der Regisseur wollte hier große Konsumkritik anbringen mit überladenen Kostümen und Frauen, die „vom System“ gelenkt werden. Ahja. Ok. Nicht verstanden, nicht so gesehen, als unpassend empfunden. OK. Licht- und Schatten-Effekte haben mir wirklich gut gefallen, vor allem das Schlussbild, in welchem ein junges Mädchen in einem wallenden roten Kleid entlang der Totems auf der Haldenspitze wandelt, von Licht angestrahlt. Das sah toll aus.

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Wenn doch nur die gesangliche/ schauspielerische Leistung besser gewesen wäre. Da hier viele engagierte Laien mitwirkten kann ich da allerdings nicht allzu enttäuscht sein, dem gebührt dann mein Respekt.

2 Gedanken zu “Oper im Pott: Der Fliegende Holländer in der Bergarena auf der Halde Haniel

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