Vergessene Filmlegende: Montgomery Clift

Draußen strahlt die Sonne und ich beschäftige mich mit einem Star of the Silver Screen: Montgomery Clift.

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Es ist nun 50 Jahre her, dass Montgomery Clift verstarb (23.07.1966) und mittlerweile ist die Erinnerung an ihn ziemlich verblasst. Das ist schade, denn er war ein toller Schauspieler und einer der ersten einer ganz neuen Garde. Er gehörte zu der neuen Generation, die sich vom John Wayne-Machismo abwandte und ihren Figuren viel mehr emotionale Tiefe verliehen. Clift war ein Vorbild für James Dean, der heute ikonisch für diese Art Schauspiel steht.

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Ich weiß gar nicht mehr, wie ich über Clift stolperte, aber der erste Film, den ich sah war „A place in the sun“ und ich war begeistert. Der junge Monty Clift und die noch jüngere Elizabeth Taylor geben hier eines der optisch schönsten Liebespaare überhaupt. Aber natürlich ist auch der Film fantastisch. Ich bin hieraufhin in die Bibliothek und habe mir ausgeliehen, was es nur von ihm gab (habe dazu auch die Fernleihe bemühen müssen) und habe mir sein ganzes filmisches Werk, das aus 17 Filmen besteht, einverleibt. Weil ich mehr von ihm wissen wollte, durchforschte ich das Internet und habe festgestellt, dass hier ein interessanter, wenn auch tragischer Lebenslauf hinter dieser Person steckte. Ich habe 8 Biographien über ihn gelesen (mehr gibt es glaube ich auch gar nicht), das habe ich zuvor noch nie gemacht. Ich war fasziniert. Von seiner schwierigen Kindheit, die ihn durch Europa führte. Von seiner Einsamkeit. Von der versteckten Homosexualität Von seinem schlimmen Autounfall, der ihm sein blendendes Aussehen, das ihm beruflich sehr zum Vorteil diente, kostete. Von seiner Freundschaft mit Marlon Brando. Von seiner Alkoholsucht…Sein 45 Jahre dauerndes Leben hatte so einiges an Drama zu bieten. Aber auch seine Art zu spielen fand ich interessant. Irgendwie wirkten seine Charaktere immer sehr introvertiert. Man konnte ihnen immer anmerken, dass da mehr in den Personen steckt, sie waren keine flachen Hollywood-Schablonen.

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Seine Filmographie:
1948: Panik am roten Fluß (Red River)

Clift spielt den Ziehsohn von John Wayne. Was für eine Paarung. Das alte gegen das neue Hollywood. Den Westernhelden und Raufbold nimmt man Clift schwer ab, den Sohn, der um Anerkennung und Selbstbehauptung kämpft, dagegen schon.

1948: Die Gezeichneten (The Search)

Ein rührender Film. Als in Deutschland stationierter Soldat nach dem 2. Weltkrieg findet er einen elternlosen Jungen, den er aufnimmt und plant mit nach Amerika zurückzunehmen, bevor der Kleine doch noch seine Mutter (von der er im KZ getrennt wurde) wiederfindet.

1949: Die Erbin (The Heiress)

Clift als Schönling Morris Townsend, der die reiche Erbin Catherine Sloper (Olivia de Havilland) umgarnt, ist eine Wucht. Der Film um die Emanzipation des Mauerblümchens und ihren Triumph über den Mitgiftjäger ist fantastisch.

1950: Es begann mit einem Kuß (The Big Lift)

Dieser Film ist nun nicht so dolle. Als Soldat der Luftwaffe im Berlin nach dem 2. Weltkrieg verliebt er sich in eine Deutsche, die allerdings ein falsches Spiel treibt. Mit dabei: Bruni Löbel (Ich heirate eine Familie). 🙂

1951: Ein Platz an der Sonne (A Place in the Sun)

Mein Lieblings-Clift-Film. Der ist aber auch toll. Als George Estman, Mann aus einfachen Verhältnissen, will er sich nach oben arbeiten. Und von der Beziehung mit Angela Vickers (Elizabeth Taylor) verspricht er sich weiteres soziales Prestige. Wenn er nur nicht vorher eine Fabrikarbeiterin geschwängert hätte, die auf Heirat besteht. Eine Lösung muss her…

1953: Ich beichte (I Confess)

Wieso dieser superbe Hitchcock-Film so unbekannt ist, bleibt mir ein Rätsel. Clift ist Pater Logan, dem ein Mord gebeichtet wird. Aufgrund des Beichtgeheimnisses gerät er in die Bredouille und schließlich selbst unter Mordverdacht.

1953: Rom, Station Termini (Stazione Termini)

Clift als Italo-Macho. Nein, das kaufe ich ihm nicht ab. Im Hauptbahnhof Roms wird hier das Ende der Affäre des Lehrers Giovanni mit der Amerikanerin Maria thematisiert.

1953: Verdammt in alle Ewigkeit (From Here to Eternity)

Der wohl bekannteste Clift-Film. Als Boxer Prewitt erkämpft er sich den Respekt seiner Kompanie. Vor dem Hintergrund des Angriffs von Pearl Harbour verläuft sein Leben tragisch.

1957: Das Land des Regenbaums (Raintree County)

Teile des Films entstanden nach Clifts schwerem Autounfall, die sein Gesicht deutlich gezeichnet haben. Der Film ist eine überlange Südstaaten-Familiendrama-Schmonzette. Clift steht zwischen zwei Frauen: Jugendliebe Nell (Eva Marie Saint) und Südstaaten-Schönheit Susanna (Elizabeth Taylor), die er dann auch heiratet. Susanna ist psychisch angegriffen und das Ganze wird ein melodramatisches Epos.

1958: Die jungen Löwen (The Young Lions)

Der einzige Film Clifts an der Seite von Marlon Brando. Es geht um die Erfahrungen von jungen Männern im Krieg. Clift ist der junge jüdische Soldat Ackermann, der, ähnlich wie bei Verdammt in alle Ewigkeit, drangsaliert wird. Mit dabei sind außerdem Dean Martin und Maximilian Schell.

1958: Leben ist Lüge (Lonelyhearts)

Ein unglücklicher Film. Zu dick aufgetragen wird hier der Job des Reporters Adam White (Clift) beschrieben, der für seine Zeitung die Kummerspalte betreut und (zu)viel Anteil an dem Schicksal seiner Schreiberinnen nimmt.

1959: Plötzlich im letzten Sommer (Suddenly, Last Summer)

In dieser Tennessee Williams-Verfilmung trifft Clift als Dr. Cukcrowicz auf Catherine Holly (Taylor), für die sich ihre Tante Violet (Katherine Hepburn) eine Therapie (mit in Aussicht gestellter Lobotomie) wünscht. Cukrowicz nimmt sich Catherines an und deckt die schlimme Geschichte hinter Violets Sohn/ Catherins Cousin und dessen Homosexualität und Tod auf. Heute zu belächelnde psychologische „Weisheiten“ zwar, aber dennoch mag ich den Film ganz gern.

1960: Wilder Strom (Wild River)

Im Zuge eines Staudammbaus müssen Häuser weichen. Ingenieur Chuck Glover (Clift) trifft auf widerständige Hausbesitzer und verliebt sich in die Tochter  (Lee Remick) einer von ihnen. Fazit: OK.

1961: Misfits – Nicht gesellschaftsfähig (The Misfits)

Der letzte Film von Marilyn Monroe und Clark Gable. Der „Anti“-Western. Roslyn Taber trifft auf Guido (Eli Wallach) und Gay (Gable). Beide werben um sie. Zusammen mit dem Rodeo-Reiter Perce (Clift) fangen sie Wildpferde, um sie zu verkaufen. Klingt inhaltlich erstmal wenig spannend, ist aber ein toller Film, über gescheiterte Lebensentwürfe und den Wunsch nach der freien Entfaltung seiner Selbst.

1961: Das Urteil von Nürnberg (Judgment at Nuremberg)

Hier hat Clift wohl einen seiner besten Auftritte. Als Zeuge der Anklage gegen die Deutsche Justiz im Dritten Reich gibt er als zurückgebliebener Rudolph Petersen eine imposante Vorstellung. Es sind nur wenige Minuten mit ihm im Zeugenstand, aber die haben es in sich. Genauso wie die Szenen mit Judy Garland oder Maximilian Schell. Auch Marlene Dietrich und Burt Lancaster sind hier an Bord. Ein echtes Filmjuwel!

1962: Freud (Freud)

Wie schon bei „Plötzlich, letzten Sommer“ erscheint der Umgang mit Psychologie heute etwas komisch, aber dieser Film versucht die Entwicklung Freudscher Thesen zu vermitteln. Hier geht es um Hysterie und Hypnose und natürlich auch den Ödipuskomplex. Alles ein bisschen simpel nach dem Thema 1+1=2 abgehandelt, aber annehmbar.

1966: Lautlose Waffen (The Defector)

Clifts letzter Film ist leider eine totale Gurke. Es geht irgendwie um das Schmuggeln von Microchips, aber ich kann mich kaum noch genau erinnern, es war so langweilig. Mit Hardy Krüger.

 

Wer also mal einen Blick zurück wagen möchte: Ich  kann vor allem die Filme „A Place in the Sun“, „The Heiress“, „From here to eternity“, „I confess“, „Red River“, „Misfits“ und „Judgement at Nuremberg“ nur dringendst empfehlen.

Laut imdb wird es wohl bald ein Biopic über Clift geben mit Matt Bomer in der Hauptrolle. Ich bin gespannt.

 

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