Gesehen: High Rise

Gestern habe ich einen weiteren Schritt auf dem müßigen Pfad meiner „Ich-will-verstehen-wieso-die-Leute-Tom-Hiddleston-so-dolle-finden“-Reise gemacht und habe das Gefühl, ich komme einfach nicht voran. Klang High Rise in der Beschreibung wirklich interessant, habe ich mich wirklich durch die 110minütige Dystopie von Regisseur Ben Wheatley gequält!

High_Rise_2014_Film_Poster

Wirklich, die Idee ist nicht schlecht: Bewohner, die in einer abgeschotteten Gemeinschaft in einem Hochhaus leben, das alles bietet, was zum Leben benötigt wird und mehr: vom Supermarkt, über Fitnessstudio bis zum Schwimmbad – es ist alles in dem futuristischen Gebäude vorhanden. Der Architekt Anthony Royal (der von mir sehr geschätzte Jeremy Irons, der den Quark für mich aber auch nicht retten konnte) plante mit seinem modernistischem Entwurf einen Schmelztiegel zu schaffen. Das Gegenteil ist allerdings Realität: Je höher man wohnt, desto höher das Prestige. Die Bewohner der unteren Etage werden von der „belle étage“ nur abschätzig betrachtet und natürlich zu den orgiastischen, elitären Partys nicht eingeladen. Die Kluft zwischen den Bewohnern vergrößert sich, ebenso wie der Frust in den unteren Etagen, dass für sie das Leben im Haus weniger angenehm ist, als für die oberen.

So weit so gut. Aber das ganze wird so bizarr erzählt, so weltfern, so künstlich, dass mich das alles nur vor den Kopf stößt. Manches erscheint mir auch einfach nur unmotiviert, sodass ich mich ständig frage: WTF?? Und warum Robert Laing (Tom Hiddleston) hier die Hauptfigur ist, ist mir auch schleierhaft. Selten so einen blutleeren, blassen, belanglosen Leading Man gesehen. Ja, super, er darf total oft halbnackt irgendwo rumliegen oder duschen. Toll. Auch Luke Evans als Wilder hat mich nur noch genervt, wie auch Elisabeth Moss als seine Frau. Ich habe mich nicht angesprochen gefühlt und ich fand so ziemlich jeden Bewohner merkwürdig und auch viele Dialoge hölzern, pseudo-bedeutungsschwer und letztendlich albern. Das ausufernde Gelage während der Rest des Hauses in Trümmern liegt, mag ein deftiger Kommentar zu dieser „Klasse“ sein, ich fand es schlicht und ergreifend nur nervig. Auch dass die Personen die Zustände einfach als gegeben angenommen haben, stößt mich vor den Kopf. Wie sieht denn der Rest der Welt in diesem Kosmos aus? Wieso gehen die da nicht einfach weg? Wieso raucht und säuft da eigentlich immer und ständig alles und jeder? Was sollte das alles? Ich fand nur eine Szene wirklich gut und das war jene, als auf Dialog mal wieder zugunsten von Musikeinsatz (was einfach auch meist nervte) verzichtet wurde und Portishead mit einem ABBA-Cover von „SOS“ die Bilder untermalten. Das Zusammenspiel funktionierte sehr gut.

Zusammenfassend: Ein stylischer, wenn auch wenig packender Kunst-Film, der mich mehr gelangweilt als in seiner Kritik an Klassensystemen gefordert hat. Wirklich äußerst schade, denn die Idee, die Grundlage des Films, ist gut.

6 Gedanken zu “Gesehen: High Rise

  1. Ich kann schon verstehen, warum Leute Tom Hiddleston toll finden – als Loki ist er einfach großartig und auch in Gefährten mochte ich ihn sehr.
    Was High Rise angeht stimme ich dir in jedem Punkt zu! Ich war unglaublich enttäuscht (und leicht verstört) von diesem Film. Für mich hat es überhaupt keinen Sinn gemacht, warum niemand einfach das Hochhaus verlassen hat und damit ist die gesamte Handlungslogik für mich zusammengestürzt.
    Die Musikauswahl war eindeutig das beste an diesem Film – insbesondere SOS von Portishead. Der Text wurde hier stimmungstechnisch unglaublich gut eingefangen. Das Original von Abba klingt seitdem in meinen Ohren irgendwie unpassend …

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