Lollapalooza Berlin: Schauwerte goes Mega-Festival

Lolla was? Lollapalooza Berlin ist ein Ableger eines amerikanischen Alternativ-Festival-Konzeptes. Es fand zum zweiten Mal in der Hauptstadt statt, dieses Jahr im Treptower Park. Eigentlich habe ich mich während meines Besuches dieses Festivals bei Gedanken erwischt, die wie folgt lauteten: “ Das war’s dann wohl mit Festivals dieser Größenordnung“ oder „Ey, nie wieder.“ 70.000 Menschen sind einfach ’ne Menge. Ich bekomme da Beklemmungen. Dieser ganze Beitrag könnte ein einziger Schwanengesang an Festivalbesuche werden. Könnte. Wären da nicht gute Bands, die entschädigen. Von vorne.

Wir haben early bird Tickets und konnten so für 100 Schleifen ein paar Bands sehen, die allein schon etwa gleichviel für Eintritte zu ihren Konzerten verlangen. Deswegen hat es sich schon gelohnt. Der Ticket-gegen-Bändchen-Tausch funktionierte schnell und reibungslos und geschwind waren wir auf dem großen Festivalgelände (was andererseits aber auch bedeutet, dass die Kontrollen extrem lasch waren).

Lange Schlange zum Bändchen-Tausch, am anderen Eingang ging das aber fix!
Die obligatorische Saft-Tasche

Vier Bühnen gibt es dort, die der Sache geschuldet natürlich nicht allzu nahe beieinander stehen sollten. Zur Alternative Stage ist man allerdings schon ein gutes Stück durch den Park marschiert. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es da nach dem Festival nun aussieht. Die vielen Dixie-Stationen waren an beiden Tagen völlig in Ordnung (OK, die Seife hat hin und wieder gefehlt, aber hey…), die Mischung der Futterbuden war auch gut (und preislich auch noch in Ordnung), die Schlangen hielten sich in Grenzen. Leider waren zu wenig Mülltonnen aufgestellt, schon zur Mittagszeit waren sie komplett überfüllt und rundherum zugemüllt. Das Gelände war durch die plattgestampfte Erde ziemlich staubig und dieser Staub hat sich überall festgesetzt. Natürlich schön klebrig auf den verschwitzten Leibern, aber auch in den Haaren, in der Nase, den Ohren. Ach, einfach überall. Das ist schon ganz schön viel Mimimimi meinerseits. Das größte Manko aber war die Bespielung der Bühnen. Wie kann man nur New Order gegen Kings of Leon setzen? Und wie kann man nur New Order eine Main Stage verwehren? Und wie kann man ebenfalls die Kaiser Chiefs NICHT auf eine Main Stage setzen? Das war bei denen so unglaublich voll, die wären an anderer Stelle besser aufgehoben gewesen. Das Wetter war super. Das war aber auch ein paar Tage vorher schon klar, dass es prächtig werden würde, da sollte man Möglichkeiten zur Abkühlung schaffen. Aber Gratis-Wasser gab es nirgends. Auf anderen Festivals gab es zum Beispiel Cooler, wo man mit Wasser besprenkelt wurde, was erfrischt und vor dem Kreislaufkollaps bewahrt. Das hat gefehlt. Es gab eine Bühne mit Elektrosounds, was mir gefallen hat, die war aber stets viel zu leise.

Wäre sie lauter gewesen, hätte der Sound mit dem von der Alternative Stage kollidiert. Das war also auch meh. Und dann gab es da noch den grünen Kiez, wo es Workshops und Infos zum Thema Nachhaltigkeit gab. Voll so Öko und so. Das an anderer Stelle dann Zigaretten verkauft wurden, es kein Gratis-Wasser gab, der Müll ein echtes Problem darstellte und ein Zigaretten-Hersteller irgend so ein Promo-Gedöns auf dem Gelände hatte oder ein Wodkahersteller eine ganze Straße brandete, hat das alles schön unglaubwürdig gemacht. Eine Fun-Fair gab es auch, wohl um die Massen zu verteilen, bzw. zu entzerren. Fand ich ganz nett. Ein paar Zirkuseinlagen, ein paar ruhigere Entspannungszonen, das war gut.

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Einen eigenen Bereich für Kids gab es auch, war für mich aber eher uninteressant. Und überhaupt: Wieso nehme ich meinen wenige Monate alten Nachwuchs mit auf ein Musikfestival? Um später voll hip zu sagen: „Schau mal, schon so früh haben wir dich an gute Muck herangeführt. Was waren wir für fesche, hippe Eltern, ne?“ Mich hat das eher genervt, wenn durch die Massen noch Kinderwagen geschoben wurden. Oder wenn der große Papi noch seinen Nachwuchs auf die Schulter nahm, sodass man noch weniger Sicht auf die Bühne hatte. Oder wenn der hart erkämpfte Platz am Wellenbrecher für die Kleinen verlangt wurde: „Kann sich mein Sohn aufs Geländer setzen?“ Ja, weil der 3jährige ein Riesen Kings of Leon – Fan ist. Bestimmt. So, das zur Motzerei.

Es war trotz allem in der Nachbetrachtung recht entspannt. Ich habe keine Pöbeleien oder Alkoholkotzer gesehen. Kings of Leon waren genial und wurden nur noch getoppt von Radiohead. Hätte ich diese beiden tollen Auftritte nicht gesehen, hätte ich meinen Besuch bereut. Lindsay Stirling, der Derwisch an der Violine war interessant zu anzusehen und ich fragte mich, ob das alles wirklich so live ist, was man da hörte. So wie sie sich verrenkt hat, kann man doch keinen geraden Ton auf dem Instrument zustande bringen.

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Roisin Murphy war anscheinend in der Lady Gaga-Performance-Schule und hat einen ganzen Bus mit Kostümen mitgebracht. Einmal nicht hingeschaut hatte sie schon wieder etwas anderes an. Sie hat eine tolle Stimme und so etwas eigentlich gar nicht nötig. So richtig übergesprungen ist der Funke bei mir leider nicht.

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G-Eazy sagte mir vorher rein gar nichts, ist aber anscheinend ein beliebter Rapper aus L.A. Himmel, hat der das Publikum vollgeschleimt. Und er hat aufgefahren, was nur geht. Jede Menge Knall-und Feuerwerkseffekte. War nicht meins.

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Years & Years hatten Bock. Deren Sänger hatte ein knappes Büxchen und ein bauchfreies Top an und bewegte sich betont lasziv. Kylie wäre ganz neidisch. Ich mochte die Musik, meine Begleitung leider gar nicht.

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New Order, auf die ich mich sehr gefreut habe, wirkten auf mich ziemlich lustlos.

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Ich bin dann nach einer halben Stunde rüber zu den Kings of Leon, die toll waren.

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Ich las hinterher noch von anderen, die wahre Lobeshymnen auf New Order sangen, die wohl auch Joy Division Songs spielten, muss alles nach den ersten 30 Minuten gekommen sein. Während wir auf Radiohead warteten nahmen wir noch James Blake (langweilig) und Major Lazer (laut, immer nur bumm, bumm, bumm) mit. Von der Electrobühne gefiel mir Destructo ziemlich gut. Das hat Laune gemacht. Radiohead als Abschlusskonzert haben dann natürlich den Vogel abgeschossen. Ich liebe diese Band. Die sind einfach toll und ich hatte viel Spaß auch wenn Thom Yorke sagte „Are you happy? (worauf alle mit Yeaaaah antworteten) „Well, that is about to change.“

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Gar nicht, spitze waren die. Ob so ein Festival mit 70.000 Menschen pro Tag nochmal sein muss, wage ich für mich aber zu bezweifeln.

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7 Gedanken zu “Lollapalooza Berlin: Schauwerte goes Mega-Festival

  1. Also ich kann dir sagen, dass ich das mit den Menschen auch sehr anstrengend fand. Auf dem Tempelhofer Feld hat sich das letztes Jahr viel besser verteilt. Und alle waren weitaus entspannter. Ansonsten kann ich dir bei New Order zustimmen. Sehr sehr lustlos. Sie hatten übrigens als Zugaben zweimal Joy Division zelebriert. Hättest dafür also sehr lange warten müssen.

    Und James Blake ist toll und Radiohead waren und bleiben überbewertet. Der Mensch, der mir wirklich fassbar machen kann, was an dem Auftritt, an den Songs (die fast alle gleich klingen) revolutionär bis berührend war, bekommt ne Torte.

    Übrigens fand ich es wirklich unverantwortlich, dass man nach dem Klogang sich seine Hände mit Wasser waschen konnte, Bei der Hitze absolut widerlich.

    1. Radiohead sind zum niederknien fantastisch. Fein arrangierte Songs von eingängig bis sperrig. Mit unverwechselbarem melancholisch-weltentrücktem Songwriting. „2+2=5“ klingt doch nicht wie „exit music for a film“, „paranoid android“ doch nicht wie „house of cards“. Das Album OK Computer ist ein Geschenk an die Menschheit und gehört zum Weltkulturerbe. So. (Ich hätte gern statt Torte gern ein saftiges STück Zitronenkuchen)

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