Ruhrtriennale: Die Dinge, die vorüber gehen

Das Stück „Die Dinge, die vorüber gehen“ nach einem Roman von Louis Couperus führte uns nach Gladbeck in die Maschinenhalle Zweckel. Da war ich noch nie und ich bin immer ganz entzückt, neue Ecken des Ruhrgebietes kennenzulernen. Wenn mich auf dem Parkplatz schon der Förderturm Willkommen heißt, bin ich höchst erfreut. Eine schöne Location!

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Das ehemalige Zechengebäude ist sehr hübsch, mir geht da immer das Herz auf.

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Inszeniert wurde das Stück von Ivo von Hove, dessen Produktion von „A view from the bridge“ in London mir schon super gut gefallen hat. Er liebt es anscheinend seine Schauspieler die ganze Zeit am Rand der Bühne sitzen zu haben und sie zum Bühnenbildelement zu machen. Ganz in schwarz gewandet sitzen sie an Stühlen, die entlang des Bühnenbereichs aufgestellt sind. Zu Anfangs dachte ich mir noch „Hey, das ist ganz schön groß hier. Und da auf der gegenüberliegenden Seite sitzen ja auch noch Menschen. Krass“. Dann geht das Licht für die Bühne an und ich bemerke, dass das auf der anderen Seite ein großer Spiegel ist. Hahaha.

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Wir sehen das Stück übrigens in niederländischer Sprache mit englischen und deutschen Oberttiteln. Die Ohren brauchen eine Weile, um sich daran zu gewöhnen, aber dann ging es.

Worum geht es in dem Stück? Um eine niederländische Familie, die von Heimlichkeiten, Verschwiegenheiten und Schuld heimgesucht ist. Die Großmutter Ottilie hat mit ihrem Liebhaber Takma den Gatten ermordet. Ein befreundeter Arzt ist Mitwisser und verlangte von ihr Liebesdienste für seine Verschwiegenheit. Ein Sohn hat das Verbrechen beobachtet und dieses Wissen stets mit sich herumgetragen. Takma und Ottilie haben eine Tochter, auch Ottilie genannt, gemeinsam. Die Vaterschaft Takmas ist allerdings ebenfalls ein Familiengeheimnis. Tochter Ottilie wiederum hat den Sohn Lot, der Elly, die Enkelin Takmas, somit unwissentlich seine Cousine, heiratet. Die Familienmitglieder sind allesamt zutiefst unglücklich und die Schuld der Großelterngeneration, die ungesühnt ist, legt sich wie ein dunkler Schatten auf die Nachkommenschaft.  Elly und Lot versuchen diesem Mahlstrom zu entkommen und flüchten nach Italien. Doch ihre Ehe zerbricht rasch.

Ein bestimmendes Thema des Stückes ist das Alter, bzw. das Älterwerden. So ziemlich jeder Charakter ist ergriffen von einer panischen Angst vor dem Alter. Vor dem Verlust von Jugend, Schönheit und Liebe. Andererseits wird auch gehofft, dass mit dem Alter dann „die Dinge vorbei“ sind. Doch die Dinge gehen nicht vorüber, sie sind immer da. Auch nach dem Tod Ottilies und Takmas.

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Mir hat das Stück, in all seiner Tragik und Schwärze, gut gefallen. Es war hervorragend gespielt und inszeniert. Ein Saxophonspieler unterlegte dieses Requiem mit getragenen Tönen, die passend wie der Nebel aus der Maschine über die Bühne waberten. Dieser Nebel deckte die Bühne am Ende vollends zu. Der Schleier des Vergessens?

Ein wuchtiges Stück über Geheimnisse, Leidenschaft, Liebe, Alter und Familie.

 

2 Gedanken zu “Ruhrtriennale: Die Dinge, die vorüber gehen

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