No Man’s Land im Wyndham’s Theatre

Gandalf/ Magneto und Captain Picard/ Prof. X auf der Bühne!! Wah! OK OK, was für ein blöder Einstieg in meine kleine Besprechung des Stücks. Aber das schwang halt vorab so in meinem Kopf mit.

Patrick Stewart und Ian McKellen zusammen zu erleben, war ein echtes Erlebnis! Ich habe bis dato nur ein Harold Pinter-Stück gesehen und zwar „Old Times“ mit Rufus Sewell und Kristin Scott Thomas. Das fand ich ziemlich öde. Ich bin daher mit einiger Skepsis in „No Man’s Land“ gegangen, wurde aber nicht enttäuscht.

Worum geht es?

Der alternde Autor Hirst (Patrick Stewart) nimmt die Pub-Bekanntschaft Spooner (McKellen) mit auf sein Anwesen, wo sie den Abend weiter vertrinken. Spooner, so stellt sich heraus, ist ein Obdachloser, der sich nun versucht bei Hirst einzuschmeicheln, um sich bei ihm einzunisten.

Ich habe schon lange nicht mehr so weit von der Bühne gesessen. Die Sitze oben in der Gallery legen eine Diät nahe. Himmel, ist das eng. Ich habe aber auch schon lange nicht mehr so viele nette Leute angetroffen, wie hier. Sehr offene, interessierte Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam.

Als Stewart und McKellen auf die Bühne kamen, ist sofort klar: Die Chemie zwischen ihnen stimmt. Sie ist fast greifbar. Man merkt gleich, wie viel Erfahrung und Talent sie innehaben. Die erste Hälfte ist sehr komisch und gerade Ian McKellen ist hinreißend als Spooner! Als die Angestellten Hirsts, Foster (Owen Teale) und Briggs (Damien Molony), auftauchten, habe ich diese beiden irgendwie sofort als Bedrohung genommen, auch weil so offensichtlich wurde, wie Spooner alle Nonchalance verliert und nahezu kriecherisch ist, was von beiden schnell durchschaut wird. spooner setzt sich nie in den Sessel, denn der gehört Hirst. Mitunter fällt er auch auf die Knie. McKellens Körpersprache macht seine Unterwürfigkeit sehr deutlich. Hirst trauert seiner Vergangenheit nach. Immer wieder beruft er sich auf sein Fotoalbum, mit all den interessanten Menschen, die er einst kannte, die nun aber verstorben oder sonstwie aus seinem Leben verschwunden sind: „I knew remarkable people with remarkable faces!“ McKellens Spooner hingegen ist ein träumerischer Verlierer, der mir manchmal fast das Herz bricht, gerade wenn Foster ihn in die Mangel nimmt, weil er Spooners Absichten durchschaut. Unklar beleibt, ob Spooner und Hirst sich wirklich kannten, oder ob Spooner mitspielt, wenn Hirst in ihm einen alten Bekannten vermutet.

Das Ende ist ziemlich grimmig. Hirst trinkt sich zusehends zu Grunde und ist nicht immer Herr seiner Sinne. zum Schluss des Stückes will er ein letztes Mal das Thema wechseln, dann nicht mehr über andere Dinge sprechen, nicht mehr an Diskursen teilnehmen, nichts Neues mehr zulassen, worauf Spooner entgegnet: „Now you’re in No Man’s Land, where nothing ever changes and where it always stays icy…“ Hirsts Kommentar und die letzten Worte des Stücks: „I drink to that.“

No Man’s Land ist ein Stück über das Alter, den Tod und über Selbstbetrug, das mir sehr gefallen hat. Alle Performances waren hervorragend, wobei ich Ian McKellens Leistung aber doch ein Quentchen mehr abgewinnen konnte.

Stage Door

Ich bin an diesem Tag morgens um 3:30h aufgestanden, deswegen war ich nach dem Stück unglaublich müde. Ich habe dennoch einmal kurz bei der Stage Door vorbei geschaut und ein Bild von Patrick Stewart erhaschen können. Gerne hätte ich noch auf McKellen gewartet, aber ich war so müde, dass ich schon sorgen hatte, es nicht ins Hotel zu schaffen. Schade. Hoffentlich sehe ich ihn noch einmal auf der Bühne!

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