Confessional im Southwark Playhouse

Es gibt tolle Theaterabende und es gibt maue. Letzteres gab es im Southwark Playhouse mit Tennessee Williams‘ wenig bekanntem Stück „Confessional“. Jetzt weiß ich auch, warum das kaum gespielt wird: Es lohnt nicht. Der Einakter um Leona und ihren Tunichtgut-Macker Bill hat zwar interessante Ansätze, ist aber ziemlich unausgereift und wenig bühnentauglich.

Das Southwark Playhouse in Londons Süden überrascht mich, da es keine richtige Bühne hat. Vielmehr sitze ich direkt in einer Bar, was passt, da dass Stück in einer solchen spielt. Die Schauspieler laufen durch die Menge, setzen sich zu Leuten an den Tisch oder sammeln leere Gläser der Gäste ein. Ciao Ciao vierte Wand.

Worum geht es?

In einer Bar in einem Trailer Park in Kalifornien treffen wir auf Leona. Es ist der Todestag ihres Bruders, der sich das Leben nahm. Es passiert nicht viel: Leona und ihr Macker Bill streiten sich. Bill denkt seine sexuelle Anziehungskraft allein reicht, dass Frauen ihn durchfüttern. Er flirtet mit Violet. Violet und Leona streiten sich. Eine dem Alkohol zusprechende Ärztin nimmt eine illegale Abtreibung vor und tötet hierbei auch die Mutter. In diesem deprimierenden Mikrokosmos werden dann große Reden geschwungen, die allesamt ins Nichts laufen und keine Kraft haben.

Es fiel mir am Anfang nicht leicht zu folgen, denn diese Gossensprache war für mich als nicht Muttersprachlerin schwer verständlich. Die Hauptdarstellerin Lizzie Stanton fand ich ziemlich gut, die kann sicherlich mehr, als was man sie hier tun lässt. Unglaublich ärgerlich war hingegen Simone Somers-Yeates als Violet. Sie hat in der guten Stunde, die das Stück dauert, nichts anderes gemacht als übertrieben zu heulen. Hat das genervt! Die hätte ich am liebsten aus dem Raum geworfen. „AUFHÖREN!!“, wollte ich rufen.

Alle anderen Rollen außerhalb von Leona sind auch nur schemenhaft wahrzunehmen. Der Barkeeper Monk, der alte Mann und der junge Anhalter, den er aufgelesen und mit nach Hause genommen hat, welcher Leona an ihren verstorbenen Bruder denken lässt – sie alle sind Randfiguren, die wenig Charakter besitzen. Und die Geschichte um die Ärztin ist vollends überflüssig in dieser Konstellation und fügt sich in das Gesamtbild kaum ein. Sie wirkte wie ein Fremdkörper, der diesen Orbit nur am Rande streift.

Die Idee, dass wir alle gemeinsam in dieser Bar sitzen und so Teil der Szenerie sind, gefiel mir gut. Aber inhaltlich fehlt es an allen Ecken und Enden. Ob ich mir hier jetzt ein Stück ansehe, oder mich in Waltrop in ’ne Kneipe setz’und Leute beobachte und ihnen zuhöre – es käme auf dasselbe hinaus. Was die Produktion mir sagen will, weiß ich nicht. Ich war froh, dass es nicht länger gedauert hat und nicht noch mehr Monologbrocken (= Beichten = Confessions) mir entgegengeschleudert wurden. Eigentlich eine gute Idee und ein gutes Set-up und (bis auf Ausnahmen) auch gute Darsteller, die leider ein schwaches Stück aufführen.

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