The Boys In The Band im Park Theatre London

Ich mag kleine Theater. Das Park Theatre in Londons Norden ist ein Schmuckstück mit recht kleiner Bühne. Ich würde schätzen, es finden dort ca. 200 Zuschauer Platz (aber im Schätzen bin ich ziemlich schlecht, vielleicht sind es auch mehr). Ich sitze an diesem Abend in der ersten Reihe. Cool. Das Bühnenbild ist ein Wohnzimmer, an der Wand hängen Bilder von weiblichen Filmikonen: Rita Hayworth oder Bette Davis beispielsweise.

Worum geht es?

Michael (Ian Hellard) gibt eine Geburtstagsparty für Harold (Mark Gatiss). Dazu eingeladen sind die Freunde Larry, Hank, Emory, Donald und Bernard. Außerdem kommt noch Michaels ehemaliger Collegefreund Alan zu Besuch, was Michael gar nicht passt. Denn Alan weiß (angeblich) nichts von Michaels Homosexualität und Michael möchte, dass das so bleibt und bittet seine Freunde, sich „normal“ zu verhalten. Im Laufe des Abends kommt immer mehr zu Tage, wie sehr es den Männern zusetzt(e), zu ihrer Natur zu stehen und was für Repressalien, Rückschläge und Probleme das für ihre Leben deswegen bedeutet. Forciert wird dies durch Michaels Idee, dass jeder einen Anruf tätigen solle, um der Person am Telefon zu gestehen, dass er die Liebe des Lebens des Anrufers war/ ist.

Ein gutes Theaterstück von Mart Crowley, inszeniert von Adam Penford, dass, obwohl aus dem Jahre 1968 (!), heute gleich aktuell ist. Leider, muss man wohl sagen, denn von der „Normalität“ homosexuellen Daseins kann man immer noch nicht sprechen.

Besonders begeistert war ich von Nathan Nolan als Hank. Für Larry (Ben Mansfield) hat er Frau und Töchter verlassen und nun können sich beide nicht auf eine Beziehungslinie einigen. Larry glaubt nicht an Monogamie und Hank ist eifersüchtig und kann damit nicht umgehen. Das war einfach toll dargestellt von ihm. Im Telefonspiel rufen sich Hank und Larry gegenseitig an und gestehen sich ihre Liebe – das hat mich sehr berührt.

James Holmes als Emory war mir ein bisschen zu überdreht und Mark Gatiss und seine Scharfzüngigkeit kamen für mich zu wenig zum Einsatz. Schwachpunkt für mich war Ian Hallard, der es nicht verbracht hat Michael als den manipulativen, selbstzerstörerischen Gastgeber darzustellen, der er ist. Da fehlt einfach Biss und Galle.

Am Ende geht Michael spazieren, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Wie bei Tennessee Williams – der Sturm hat sich gelegt, nun können die aufgerissenen Wunden beginnen zu heilen.

Nach der Vorstellung kann man sich noch mit dem Cast an der Bar unterhalten (ich nicht – schüchtern).

3 Gedanken zu “The Boys In The Band im Park Theatre London

  1. Also das glaube ich jetzt nicht! Nach London zu fliegen und NICHT mal „hallo“ sagen?
    Auweia!
    Mark ist ein ganz lieber! Und Ian scheint mir auch sehr sympathisch zu sein.

    Deine Meinung bezüglich Michael weicht von dem, was man so liest, aber es scheint, es hat sich trotzdem gelohnt.

    Danke für den Bericht! 😀

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