New Fall Festival Düsseldorf: James Rhodes

Das New Fall Festival hat eigentlich eher Acts aus dem Popbereich zu Gast, aber dieses Jahr eben auch James Rhodes. Weil dessen Geschichte (wer mehr dazu wissen möchte: hier) so interessant sei. Sein musikalisches Talent ist also nur zweitrangig. Aha.

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In der Johanneskirche sind die Reihen nicht voll besetzt, sodass aufgerückt werden darf. James Rhodes trägt einen Pulli mit der Aufschrift „Bach“ und hat Rachmaninow auf seinen Unterarm tätowiert. Der Mann brennt für Musik. Acht Stücke spielt er an diesem Abend, immer gepaart mit kurzen Einführungen. Er hat einen Faible für die dunklere Seite der Klassik. Er berichtet von Chopins katastrophaler Beziehung zu George Sand und seinem frühen Tod, von Beethovens Taubheit und Depression, davon, dass Rachmaninow bi-polar war und das Glucks „Orpheus und Eurydike“ eine sehr traurige Sage zu Grunde liegt.

Rhodes hat Charme. Gleich zu Beginn begrüßt er das Publikum mit „Main Doitsch ist painlisch“ und „Sorry for the fucking Brexit, what were we thinking?“

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Über den Steinway gebeugt versinkt er in die Musik. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde sein Spiel „kantig“, nicht harmonisch (vor allem kommt mir das bei Puccinis „Babbino Caro“ so vor) für meine, zugegebenermaßen, Laienohren. Zu Beginn intoniert er zwei Stücke von Chopin (Fantasie/ Fantasie polonaise) und ich fühle mich nicht mitgenommen. Besser funktioniert dies bei Rachmaninow und bei Bach. Das passte irgendwie besser.

Zu Beginn sagt Rhodes: „Dieses Stück von Bach kann jeder in nur 6 Wochen lernen.“ Damit könne man dann auf Partys beeindrucken. Ich frage mich, was das soll. Mit ein paar „Tricks“ ein Stück lernen – was hat man davon? Lerne ich ein Gedicht auswendig, bin ich kein Poet. Es ist aber seinem Bestreben geschuldet, die Klassik aus ihrem Dünkel-Dasein zu heben.

Sein britischer Humor ist sehr einnehmend:

„Oh to play Beethoven in Germany. It’s like being an Elvis-Impersonator performing in Graceland!“

„Encores are weird. When you’re at work and want to leave at six, you’re Boss doesn’t come going ‚come on, just one more E-Mail, huh?‘ “

Das Konzert ist nacht den acht Stücken (die drei Zugaben inkludieren) vorbei und ich kann mich in die vielen Lobeshymnen nicht so ganz einfinden. Rhodes hat einen charmanten, musikbegeisterten Eindruck gemacht, aber sein Spiel hat mich irgendwie nicht wirklich ereicht. Schade.

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2 Gedanken zu “New Fall Festival Düsseldorf: James Rhodes

  1. Okay, ich muss es auch unterschreiben mit dem nich-erreichen. Da ich aber auch ein Leie bin, weiss ich nicht ob das am Spielstill liegt, oder an der Auswahl der Stücke. Der Klang war irgendwie sehr abstrakt, un-melodisch. Vielleicht fehlt mir… irgend etwas? Erfahrung? Methode? Wissen?
    Und irgenwas war mit der Akustik, denke ich. Oder habe ich einfach zuviel erwartet von dem Klang in RL.
    Es war aber trotzdem ein netter Abend. Mit – glaube ich – fünf Zugaben, die mir immer mehr gefielen. Darunter war eine Variation des Leitmotivs aus Der Brücke am Quay, was mich zum überbreiten Grinsen brachte (und immer noch bringt) – auch wenn ich die ersten Minuten damit verbrachte, panisch in meinem Gedächtniss zu suchen, woher ich diese Melodie kenne.

    PS: endlich ein Konzert wo man keine Ohrstöpsel braucht. 🙂

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