Dr. Strange – Review eines Nicht-Marvel-Jüngers

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Dr. Strange ist der neueste Zugang im immer größer werdenden Marvel-Kino-Universum. Der geniale Neurochirurg, der vom Menschen- gleich zum Weltenretter aufsteigt, ist auf der Leinwand vor allem eines: Ein Effektefest!

[Es folgen – milde -Spoiler]

Die Story ist jetzt weder besonders neu noch wahnsinnig spannend. Arrogantem Spitzentyp wird die Grundlage für seine Arrogantespitzentypheit entzogen, macht sich auf die Suche nach Abhilfe, nach Wiederherstellung seines status quo, findet dabei, durch Einwirkung anderer, zu seinem neuen Selbst und nutzt neue Kräfte und Einsichten für das Wohl und den Erhalt der Welt. Natürlich unterläuft er dabei die typischen Superheldenphasen: „Ich will das alles nicht“, „Ich bin noch nicht soweit“ & „OK, ich mach’s“.

Der Weg zum Sorcerer Supreme führt erstmal gen Osten, nach Asien und zum Ancient One. Dieser leitet quasi die Charles Xavier Schule für Esoterischen Murks und zu erst einmal muss man alles vergessen, was man zu wissen glaubt. Erst dann ist der Geist frei für die wahren Dimensionen. Und da tut sich dann einiges auf. Neben Astralprojektionen und Multiversen haben wir es auch mit der dunklen Dimension zu tun, jenseits der Zeit. Alle treuen Zuschauer von Astro TV werden ihre helle Freude haben. Mir war das zu viel, wie auch die ständige Effektespielerei. Kein Thema: Das sieht alles super aus, vor allem die MC Escher’esque Treppenverfolgungsszene fand ich großartig. Aber insgesamt war es mir zuviel. Ständig wird das Bild im Hintergrund gemorpht, eingefroren oder sonstwas. Ich gehöre zu den Menschen, die Effekten durchaus viel abgewinnen können, aber zuviel ist zuviel. Gute Geschichten und interessante Figuren sind mir lieber. Das ist hier beides zwar da, aber im Hintergrund. Und die dunkle Dimension, der Gegner Dormmamu, erinnerte mich an den „Endgegner“ Neos in der Matrix.

Die Exposition muss bei Dr. Strange ziemlich schnell gehen, so erreichen wir den fatalen Autounfall, der die Hände des Chirurgen zerstört, schon nach wenigen Minuten, damit bald das Gekämpfe durch die Dimensionen starten kann. Mir persönlich bleiben die Charaktere dabei immer ein bischen zu schablonenhaft. Und – hey , es ist ein Comic – die Figuren und Settings sind auch stereotyp. Wie der totale hippe, fesche Dr. Strange mit Christine durch das super hippe-fesche High-Tech-Krankenhaus läuft und die ihre Bonmots rausklöppeln ohne sich dabei anzusehen, das ist so …ich weiß nicht…pesudo-cool. Schaut wie töfte die beiden sind, so schlagfertig, so unecht. Jip, dass sind so Gedanken, die mir dabei kommen. Und Christine ist natürlich die sanfte Erdung des Dr. Strange. Genial, übrigens, wie sie auf seine Astralversion reagiert: „Huch, das ist komisch. Naja, dann mache ich hier mal weiter mit der Operation, die ich übrigens ganz allein mache, hier, wo die benötigten Geräte alle schon liegen, die Räume im Krankenhaus nicht besetzt sind und ich das mal eben so machen kann, weil ich sonst nichts zu tun habe, dumdidum…“

Der Film hat eine Besetzung, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft: Benedict Cumberbatch als Dr. Strange, Tilda Swinton als The Ancient One, Chiwetel Ejiofor als Mordo, Mads Mikkelsen als Kaecilius, Benedict Wong als…nunja…Wong und auch Rachel McAdams als Christine. Alles Top-Leute, die ihren Job gut machen und allesamt natürlich heillos unterfordert sind. Gab es um ihre Rolle auch eine Menge Aufhebens im Vorfeld (Thema Whitewashing), fand ich doch, dass Tilda Swinton hier aus dem Cast heraussticht. Sie ist einfach so gut und hat eine Präsenz, die mich immer wegfegt. Mads Mikkelsen ist auch prima, bei ihm hätte ich mir viel (!!) mehr Screentime gewünscht! Benedict Cumerbatch ist gewohnt gut, wie auch Chiwetel Ejiofor. Benedict Wong ist ein humorvoller Sidekick (Stichwort Beyoncé…höhöhö). Nicht vernachlässigen sollte man an dieser Stelle den Szenendieb: Der Umhang. Ein Knaller! 🙂

Dieses war also Stranges erster Streich, denn schon im Abspann steht, er käme wieder. Und das nicht nur als Randfigur in anderen Marvelfilmen, sondern sicherlich auch im eigenen Franchise. Oh, Marvel, du glorreiche Gelddruckmaschine. Wie übrigens die Welten von Thor, Iron Man, Captain America und Dr. Strange alle so zusammenpassen sollen, ist mir ein Rätsel. Hauptsache, größer, schneller, besser, weiter. *seuftz*

Also alles in allem ein ganz vergnüglicher Kinoabend, zugekleistert mit dem, was die Tricktechnik in Hollywood gerade so zu bieten hat. Und weil genug Geld da war, sind auch noch echte Sahnefiletstücke aus der Schauspielzunft dabei. Also alles Garanten für einen absoluten Hit. Wird einer sein. Wird Sequels nach sich ziehen. Alles ganz prima, für mich bleibt Action- und Effektkino allerdings weiterhin im „Kann-man-mal-schauen-muss-ich-nicht-so-oft-haben“-Bereich.

6 Gedanken zu “Dr. Strange – Review eines Nicht-Marvel-Jüngers

      1. Habe mal gerade die drei Enden überflogen.

        Du meinst wahrscheinlich Matrix Revolutions, dort sieht man tatsächlich so ein explodierendes rundes, gesichtsähnliches Teil.

  1. für diesen „kann man sehen“ Bereich war es aber ein ziemlich starker Beitrag 😀
    fand ihn ziemlich unterhaltsam, auch wenn er Potential verschwendet hat

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