Gesehen: „Radio Heimat.“

Radio Heimat

Frank Goosens Ausspruch „Woanders is auch scheiße“ ist bekannt und trifft für den Pott einfach den Kern. Man weiß halt, dattet hier nich so schön is, aber wenn man sich umguckt, isset ringsum auch nich besser. Da musse schon bis nach Berlin, abba da isset doch auch scheiße. Und eigentlich isset doch ganz nett. Hier weiße watte has.

Das Werk, aus welchem der genannte Satz kommt (Radio Heimat. Geschichten von zuhause), wurde jetzt verfilmt. Ich mag ja mein Ruhrgebiet auffe große Leinwand, nä?

Geniale Ruhrpottfilme

  • Bang Boom Bang
  • Was nicht passt, wird passend gemacht
  • Tatort: Ruhrort
  • Das Wunder von Bern
  • Rote Erde
  • Kein Pardon
  • Smog

Natürlich gibt es da etliche mehr, die Helge-Schneider-Filme etwa oder aktueller „Junges Licht“ von Adolf Winkelmann, aber erstere treffen nicht so wirklich meinen Humor, obwohl ich den Helge gut finde und letzteren habe ich einfach noch nicht gesehen.

Jetzt halt Radio Heimat. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden im Ruhrgebiet. Aus Jungensicht (wie zumeist…). Frank und seine Freunde Mücke (eine der nervigsten Filmcharaktere, die ich seit langem gesehen habe), Spüli und Pommes verleben im Bochum der 80er Jahre ihre Pubertät und wagen die ersten Versuche beim anderen Geschlecht (naja, außer Spüli).

Als reine Coming of Age Geschichte war das Ganze zu seicht, als Ruhrgebietskomödie zu unpöttisch. Jip, das ist ein Wort. Weil ich das so will. 🙂 Der Film basiert auf mehreren Erzählungen und das Drehbuch (von Regisseur Matthias Kutschmann selbst verfasst) hat es nicht vermocht, diese zu einer stringenten Story zu verdichten. Einzelne Episoden wirken ideenlos aneinandergeschraubt. Und dass Frank den Zuschauer direkt anspricht ist für mich auch kein guter Kniff. Ich bin ja eh kein Freund von Gesülze aus dem Off (das es hier auch gab) und diese Ansprachen waren extrem überflüssig. Zudem hat mir Ruhrgebietkolorit gefehlt. Die Tanzschulszenen wirken ob bei Franks Eltern oder bei ihm gleichbleibend im 60er-Stil und die Klassenfahrt an die See entzieht dem Film komplett das Pott-Feeling, der ihm gut getan hätte. Nicht mal der Dialekt wird mit auf die Reise genommen. Sehr schade.

Echte Ruhrpotthelden wie Ralf Richter, Gerburg Jahnke, Uwe Lyko (aka Herbert Knebel, aka hier wunderbar „Laberfürst“ genannt), Ingo Naujoks oder Hans Werner Olm kommen viel zu kurz. Die Szenen, die im Pott spielen ganz zu Beginn und während des Abspanns waren die besten. Das hätte ich sehen wollen. Aber nein, stattdessen gibt es aufgewärmte Boy meets Girl-Kost, die man schon hundert Mal zu sich genommen hat und auch besser. Das von allen angebetete Mädel ist gar nicht so wie die Jungs sich das vorstellen (Himmel, die sieht nicht nur aus, sondern hat auch noch eigene Interessen und die sind gar nicht deckungsgleich…sowas!), die nett aussehende Klassenkameradin mit Humor ist dann doch auf einmal interessanter und auch Homosexualität wird hier gleich mit abgefrühstückt. Das tut alles nicht weh, das ist alles so wiedergekaut und aufgewärmt, dass es schon fast ärgerlich ist. Und am Ende springen die Jungs dann ins Meer und sind einfach frei und glücklich – hach, die unbeschwerte Jugendzeit, wenn man auf dem Weg zu sich selbst einen Durchbruch hatte. Gäääääähn!

Der 80er-Soundtrack war natürlich töfte und überraschend für mich war die Besetzung der 80er-Jahre-Betulichkeits-TV-Schönheit Anja Kruse als Franks Omma. So kannte ich die Schwarzwaldklinik-Dame nicht, das hat mir gefallen. Ich wusste gar nicht, dass Kruse aus Essen stammt.

Ein leider enttäuschender Film, der Potential für mehr gehabt hätte mit einem vernünftigen Drehbuch.

3 Gedanken zu “Gesehen: „Radio Heimat.“

  1. Ich hatte auch erst überlegt, mir den Film anzuschauen, aber ich habe es dann gelassen. Irgendwie sprach mich die Story nicht so an. Frank Goosen mag ich übrigens sehr!
    lg

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