Truck Tracks Ruhr: Mülheim

„Ein LKW mit fahrbarem Zuschauerraum bewegt sich durch Mülheim an der Ruhr und hinter dem Fenster wird die Stadt zum Roadmovie“, so wird das Projekt Truck Tracks Ruhr auf der Website beschrieben. Da wollte ich schon im Sommer eine Tour für Duisburg mitmachen, die waren aber alle rasch ausgebucht. Für den Nikolaus-Tag konnte ich dann noch zwei Plätze für Mülheim ergattern. Um 18 Uhr ging es los, nachdem wir im Ronja (vegetarisches Restaurant) ganz fabelhaft gegessen haben.

Am Ringlokschuppen wartete schon der Truck, der uns durch die Stadt fahren soll. Aber erstmal gibt es in der Kulturstätte eine kleine Einweisung: Anschnallen, Handy aus, Klappe halten. 🙂

Drei Sitzreihen sind im Laderaum des Trucks montiert. Wir sitzen in der ersten Reihe, vor uns eine Leinwand.  Während der LKW losfährt zeigt ein Video den Weg, den wir gerade fahren, fast als wäre es live. Dazu läuft Musik. So eine Art Trance-Pop-Elektro-Kram. Wir halten das erste Mal und die Leinwand fährt hoch und wir schauen aus dem Fenster auf Wartende am Mülheimer Hauptbahnhof. Wir schauen auf die Menschen und müssen erst einmal über die Absurdität des Ganzen lachen. Wir betrachten sie wie Zootiere. Andersrum verhält es sich vielleicht genauso. Obwohl…nein, die Scheiben sind ja verspiegelt. Skurill.

kunstprojekt-truck-tracks-ruhr
(c) dpa

Die reinen Fahrtstrecken sind immer mit Musik unterlegt und ich verliere mich erst ein bisschen in Gedanken, bevor ich merke, dass diese weiter wegrutschen. Nach einiger Zeit schaue ich nur und nehme die Landschaft auf. Gerade bei der Fahrt über die Autobahn erging es mir so.

(c) Ruhrtreinnale
(c) Ruhrtriennale

Die weiteren Stopps:

„Ab Ipso Ferro“

Wir halten am Firmengelände von Europipe, einem Hersteller von Großrohren und hören ein Märchen, das von einem Zwerg handelt, der auserwählt ist Prinz des Stahls zu sein. Dazu beobachten wir das abendliche Treiben auf dem Gelände.

„Real ist der Verdacht“

Auf dem Parkplatz des real-Kaufhauses bekommen wir eine kleine Geschichte zu hören, der ich nicht richtig folge, die aber wie eine Agentenstory daherkam. Wir blieben mit unseren Augen an dem Vater und seinem waghalsigen Ausparkmanöver hängen und an der Mutter, die ihre Chips und Cola beladenen Kinder schalt.

„sauber machen“

An einer großen Autowaschanlage gibt es als Klangkulisse Maschinengeräusche. Ich finde solche Anlagen sehen in der Dunkelheit immer aus wie Weltraumhafen.

„Der Tod ist mein Beruf“

Als an diesem Stop die Leinwand nach der Musik und dem Fahrtenvideo hochgeht, stehen wir an der Monning. Einem berühmt-berüchtigten Straßenstrich an der Grenze Mülheim-Duisburg. Das realisiere ich aber erst gar nicht. Ich schaue auf Bäume und sehe ein, zwei parkende Autos. Aus den Lautsprechern erzählt ein Sohn von den Prostituierten-Morden seines Vaters.

„The stuff that dreams are made of“

Auf dem Gelände einer Baustofffirma ist es dunkel, aber der Truck hat Lampen angebracht und strahlt die einzelnen Materialien an. Ich fühle mich wie in einem U-Boot, das in den Tiefen des Ozeans die merkwürdigsten Kreaturen entdeckt.

„Die Feuerfrau“

Wir halten an einer sehr (!) großen Feuerwache und lauschen einem kleinen Mädchen, das gerne „Feuerfrau“ werden möchte.

Das hat mir alles außerordentlich gut gefallen. Jeder Ort wird aus seiner Alltäglichkeit und Banalität genommen und zur Szenerie. Ein interessanter Perspektivwechsel und eine andere Erfahrung von Urbanität.Ein spannendes Konzept, das ich gerne noch einmal in anderen Städten erleben möchte.

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