2016 – Was ich aus dem Jahr, das alle hassen für mich mitnehme

Ich weiß nicht wieso, aber mir kommt 2016 wie das überflüssigste Jahr aller Zeiten vor. Schlechtes Wetter, ständig erschreckende Nachrichten, die vielen Todesfälle (irgendwie fast alles Männer…) – da braucht’s schon einiges, um sich nicht in sein Schneckenhäuschen verkriechen zu wollen. Denke ich zurück, kommen mir folgende Bilder in den Kopf:

2016

Und das ist ja nur ein Bruchteil der unschönen Meldungen, die einem so oft in die Magengrube getroffen haben dieses Jahr.

Im  Wikipedia-Eintrag zum Jahr 2016 gibt es die Kategorie „Terroranschläge (Auswahl)“. Waren derer so viele, dass man eine „Top 10“ (es ist sogar eine Top 18) auswählt? Unterirdisch.

Jemand auf Twitter fasste das Jahr wie folgt zusammen:

Someone died.

Someone died.

Someone died.

Someone died.

Stupid vote.

Someone died.

Stupid vote.

Someone died.

Christmas.

(@PigeonJon)

Deswegen:

Obwohl, es sollte nicht „Fuck 2016“ heißen, sondern „Fuck us“, die wir diesen ganzen Mist immer zulassen. Ich finde, dass die vielen Unruhen in der Welt dazu auffordern, dass jeder Einzelne Stellung bezieht. Allein ins Netz reinzuposten, dass man AfD und Trump doof findet reicht nicht. Durch die verfluchtsegensreichen Social Media Kanäle haben wir unsere Kommunikation ja so engstirnig mit Scheuklappen versehen, dass dies nichts mehr bringt. In unseren Streams und Timelines tauchen ja nur Dinge auf, die wir uns zusammengesucht haben und die wir mögen. Eine schlimme Entwicklung. Ich finde, dass man dem Unsinn im Alltag viel stärker entgegen treten muss. Wenn man Geblubber des nun sogenannten postfaktischen Gefasels hört: reingrätschen. Nicht ungesehen den Kopf schütteln. Das Richtige muss lauter sein als das Falsche. Das jedenfalls nehme ich mit in das Jahr 2017.

Zu Beginn des Jahres habe ich mir ein „Gläschen der guten Dinge“ angelegt. Immer wenn ich eine schöne Erfahrung gemacht habe, etwas Nettes gehört habe, habe ich dies niedergeschrieben und den Zettel in das Gläschen gefüllt. Über das Jahr kommt da schon einiges zusammen.

glas der guten Dinge

Einiges habe ich zudem sicherlich auch vergessen. Nichtsdestotrotz kann ich so beim Rückblick auf das Jahr, das viele hassen, doch auch einige positive Momente für mich festhalten. Eine gute Sache, dieses Glas.

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Außerdem möchte ich noch eine kleine Anekdote aus meinem Familien-Weihnachten darbringen. Schwester C. bat darum, dass wir uns an den Esstisch setzen und die Augen schließen. Das taten wir, hörten viel Geraschel und dann las C. eine Geschichte vor. Diese hier:

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden.“ Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne. “Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber, aber, Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und fast fing es an zu weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung.“ Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

Ja, das ist sehr kitschig. Und auch banal. Aber ich fand es berührend, dass meine Schwester vorlas und uns so etwas mitgeben wollte. Eben Liebe, Hoffnung, Frieden. Als wir die Augen aufmachten, brannte in der Mitte des Tisches eine große Kerze und ringsherum standen kleine Geschenktütchen, gefüllt mit selbstgemachten Köstlichkeiten.

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Das sind Momente, die einen innerlich stärken. Zu wissen, dass es im Leben Menschen gibt, die füreinander da sind. Diesen Gedanken auf andere auszuweiten kann doch nicht so schwer sein. Etwas mehr Mitgefühl steht uns gut zu Gesicht. 2017 – für mehr Zivilcourage, Empathie und Hilfsbereitschaft!

In diesem Sinne: Machen wir’s besser! Auf ein gutes neues Jahr!

2 Gedanken zu “2016 – Was ich aus dem Jahr, das alle hassen für mich mitnehme

  1. Das ist eine sehr schöne Idee mit dem Glas – finde ich toll. Um mir die guten Momente zu bewahren, habe ich eine lange Zeit über (glaube etwa 3 Jahre!?) jeden Tag ein Foto gemacht oder zur Not eben einen Zettel beschrieben und fotografiert, um Fotos zu sammeln, die mir zeigen, dass es jeden Tag etwas gutes gab. Aber das fiel mir mit der Zeit schwer, ich habe es immer wieder vergessen oder nicht daran gedacht ein Foto zu machen. Das mit dem Glas funktioniert vielleicht besser. 🙂

    Die Geschichte mit den Kerzen und der Hoffnung ist sehr sehr schön. Letztes Jahr wurde die in unserer Kirche zu Weihnachten vorgelesen. Und ich denke mit dem Gefühl, was die vermittelt, möchte ich in das Jahr 2017 gehen. Danke! Komm gut rein ins neue Jahr

  2. Wir sollten uns mehr von den schönen Dingen des Tages bewahren und wieder unseren Mitmenschen mit Respekt und Toleranz begegnen. Bei Facebook & Co. fehlt von beidem inzwischen eine Menge.
    Es macht mir Hoffnung, dass immer mehr Stimmen zu hören sind, die das Fehlen jeglicher Empathie beklagen. Vielleicht ist das der Beginn eines Wandels.

    Hoffnung für das Jahr 2017 habe ich, so wie ich das auch für 2016 gehabt habe – was sonst?

    Auf ein 2017 mit vielen schönen Dingen, Frieden, Glaube und Hoffnung.

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