Gesehen: Split

Wie immer: Spoiler-Warnung vorab!

split

Neugierig war ich ja schon, dass James McAvoy allein 23 Persönlichkeiten auf die Leinwand bringen sollte in „Split“. Letztendlich waren es „nur“ sieben, wenn ich richtig mitgezählt habe. Kevin Wendell Crumb ist ein Mann mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung. In seinem Körper befinden sich 23 verschiedene Charaktere, die gemeinsam „die Horde“ ergeben, die Kevin beschützen. Die Ursache für diese Störung liegt in Kevins Kindheit, er wurde von seiner Mutter missbraucht. Was genau mit ihm geschah wird nicht thematisiert. Die Horde erwartet die Ankunft der „Bestie“, ein Wesen, das nun noch einen Schritt weiter geht. Es soll ein neuer Typ Mensch sein: viel stärker als die anderen. Und es ernährt sich von denjenigen, die ohne Makel sind, von denen, die kein Leid wie Kevin ertragen mussten. Deswegen entführt Crumb (bzw. eine seiner Persönlichkeiten: Dennis) drei Mädchen, die er sich als „Heilige Nahrung“ ausgewählt hat. Dabei ist Casey (Anya Taylor-Joy) eher zufällig dabei und es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls traumatische Erfahrungen in der Kindheit gemacht hat. Das rettet ihr das Leben.

Wenn ich jemandem eine solche Rolle zutraue, dann James McAvoy. Und seine Darstellung war auch nicht schlecht, auch wenn es Momente gab, die zu Gelächter führten. Wenn er das erste Mal als „Patricia“ auftritt. Das ist unfreiwillig komisch. Ich war aber beeindruckt, wie sehr sich je nach Charakter seine (Körper)sprache änderte. Der Film fing ganz gut an, driftete für mich zum Ende hin aber eher ins Absurde, mit dem „Biest“. Und die Auffassung der Therapeutin Dr. Fletcher (Betty Buckley), dass jede Persönlichkeit auch gewissermaßen einen eigenen Körper hat, obwohl sie sich diesen mit den anderen Charakteren teilt, ist für mich schwer verdaulich. Genauso wie die Behandlung der Therapeutin: Jemand, der derart mit sich zu kämpfen hat und dessen verschiedene Persönlichkeiten sie immer wieder um Hilfe anflehen – wie kann so jemand unbetreut leben? Beziehungsweise: Wieso macht die Therapeutin so einen Alleingang und versucht so dahinter zu kommen, was genau Kevin (und Co, sorry, aber das ist so schwer zu formulieren) so bedrückt? Und wieso sind die drei Mädels nach Tagen in Gefangenschaft immer noch top gestylt? Und wieso wohnt Crumb eigentlich auf/ in dieser Baustelle? Was ist mit ihm passiert? Seit wann ist er in Behandlung? Wie sieht die Behandlung aus? Fragen über Fragen!

Am Ende gibt es dann noch ein Cameo mit einer Figur aus einem anderen Film von Regisseur M. Night Shyamalan (er selbst war auch im Film zu sehen, oder?).

Gerne hätte ich mehr von Kevins Geschichte, bzw. der wirklichen, titelgebenden Zerrissenheit gesehen/ erfahren. Alles in allem, nicht wirklich, was ich erwartet hatte. Ich würde sagen: solide bis etwas zu abgedreht gen Schluss.

4 Gedanken zu “Gesehen: Split

  1. Spoiler voraus!

    Ich hab den Film auch letztens gesehen, und den Schluss fand ich ebenfalls ziemlich … nun ja … anders 😛
    Und ich musste dann erstmal nachforschen, was denn der Schluss nun (angeblich) bedeutete: Bruce Willis‘ Cameoauftritt als David Dunn soll uns sagen, dass wir die ganze Zeit keinen Thriller gesehen haben, sondern einen Superheldenfilm, quasi die Origin-Story eines Bösewichts, die im selben Universum wie „Unbreakable“ spielt, das die Origin-Story eines Superhelden war. (Legt Shyamalan den Grundstein für ein eigenes Superhelden-Universum?)

    Wenn man „Split“ schaut und das vorher weiß, dann findet man das Ende vielleicht nicht so absurd. Aber so war ich auch erstmal verwirrt.

    Was deine Fragen angeht … für mich jedenfalls muss nicht immer bis ins letzte Detail alles geklärt sein. Dann bleibt ja nicht mehr viel zum Nachdenken übrig 🙂 Und so Sachen wie „die Mädchen sind nach 3 Tagen Gefangenschaft immer noch top getsylt“, naja, es ist eben ein Film. Mir ist sowas nicht so wichtig, aber ich vermute, da sind die Geschmäcker auch verschieden 🙂

  2. Jaaaa richtig, der Shyamalan spielt den Hooters-Typ, der sich mit der Therapeutin die Überwachungsvideos anschaut. Den Cameo empfand ich als sehr gelungen. Und den gegen Ende als überraschend passend.

    Was einige Dinge wie die gestylten Mädels betrifft, kann ich dir recht geben. Das und ihr Verhalten allgemein und auch ihre knappen Outfits (zumindest die von zweien) empfand ich als so ein typisches Thriller/Horror-Klischee. Aber vielleicht war das auch der Plan. Schließlich waren sie die Heilige Nahrung … ähem.
    Den Gedanken mit den verschiedenen Persönlichkeiten und wie sie den Körper übernehmen, formen und sogar zu übermenschlichem fähig sind, fand ich aber eigentlich richtig interessant. Und McAvoy hat das auch echt gut rübergebracht.
    Die Baustelle war aber ein Zoo, oder? Schöne Raubtier-und-Käfig-Metapher …

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