The Dead Inc. im Schlosstheater Moers

Ich gehe wirklich ganz gern ins Theater. Da sieht man viel tolle, manchmal durchwachsene und gelegentlich bescheuerte Dinge. Letzteres war gestern Abend der Fall. Eigentlich ist die Geschichte von Michael Crowley Stück „The Dead Inc.“ nicht schlecht: In der Firma Lachesis wird die Lebenserwartung von Menschen berechnet, um für Versicherungen ihren Kostenfaktor zu kalkulieren. Als unerwartet die Frau des Firmenchefs stirbt, gerät dieses ganze Arbeitsmodell ins Wanken, sind doch Leben und Tod keine Konstanten mit den man arbeiten kann, wie sich herausstellt. Und dann ist da noch Sandy Geier, die die Firma übernehmen möchte und ihrem Namen getreu wirtschaftliche Leichenfledderei betreibt.

Die Schauspieler Matthias Heße, Patrick Dollas, Magdalene Artelt, Marissa Möller und Frank Wickermann waehrend der Fotoprobe zum Stueck ,The Dead Inc. Die Toten, von Michael Yates Crowley im Schlosstheater Moers, am Montag 13.02.2017 in Moers. Foto: Jakob Studnar
Foto: Jakob Studnar

Das hätte interessant werden können. Gallig-lustig. Bitterböse. War es aber nicht. Die Rollen der Frauen sind mit Männern besetzt und umgekehrt. So weit, so unspektakulär. Diese Travestie hat mich nur in der Figur des Firmengründers Julius gestört. Die Schauspielerin in ihrem Fatsuit sprach derart monoton mit betont dumpfer Stimme, das mich das rasend gemacht hat. Dabei fand ich den Cast sonst nicht schlecht. Allein die Geschichte wirkte so zerfleddert wie das Bühnenbild mit den durchsichtigen Folienvorhängen und den Pappschreibtischen, die ständig hin und her geschoben werden (eigentlich ein schönes Bild für moderne Unternehmenskultur und ihre gepriesene Transparenz).

Die Schauspieler Matthias Heße, Patrick Dollas, Magdalene Artelt, Marissa Möller und Frank Wickermann waehrend der Fotoprobe zum Stueck ,The Dead Inc. Die Toten, von Michael Yates Crowley im Schlosstheater Moers, am Montag 13.02.2017 in Moers. Foto: Jakob Studnar
Foto: Jakob Studnar

Es fiel mir schwer der Story zu folgen, weil immer wieder neu eingeschobene Inszenierungseinfälle mich verwirrt haben. Da ist der Typ mit dem Stoffpenis in der Hose, der Sex mit seiner Kollegin hat (sie entschuldigt sich bei ihm für die „Vergewaltigung“), da ist der Assistent, der eine Affäre mit dem Chef hatte und gegen die Hierarchien, bzw. gegen die drohende Übernahme rebelliert. Und da ist die Katze, die aus dem Kaffeeautomaten den kommenden Tod ankündigt. Dazu noch Tanzeinlagen. Ich kam nicht mit. Ich wollte nach Hause. Mir hat einfach eine Straffung gefehlt und vor allem Witz. Auf mich wirkte das Ganze grotesk.

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