[Buch-Date] Die Einlösung

So, dann wolln wer mal. Fantasiegeflüster, bzw. Laura hat mir folgende drei Bücher zur Auswahl gestellt:

Jakob der Lügner von Jurek Becker
Bobby von Eddie Joyce
Winterhonig von Daniela Ohms

Um mich gleich richtig beliebt zu machen: Keine der Empfehlungen hat in mir Begeisterungsstürme ausgelöst. Ich habe mich dann für den „Klassiker“ in der Aufzählung entschieden, Beckers „Jakob der Lügner“.

jakob der lügner

Die Geschichte um Jakob Heym, der im Ghetto zum Lügner und Heilsbringer wider Willen wird, ist berührend. Auch wenn mich die sperrige Sprache Mühe gekostet hat. Durch Zufall vernimmt Jakob einen Schnipsel eines Radiobeitrages und aus dieser Begebenheit entwickelt sich ein Lügengespinst, das zugleich Licht ins Dunkel des Ghettos bringt. Denn durch die Lüge er habe ein Radio und dadurch habe er gehört, dass die Russen auf dem Vormarsch sind und die Befreiung näher rückt, gibt es für die Menschen im Ghetto auf einmal ein Morgen. Die Suizidrate fällt, Liebe und Zukunftspläne machen wieder Sinn. Der Druck auf Jakob und immer neue (positive) Nachrichten steigt. Gerade in Jakobs Beziehung zum Waisenkind Lina, der er Radio „vorspielt“ ist das herzzerreißend. Das Radio bedeutet Leben (im Gegenzug: Als Jakobs Freund Kowalski erfährt, dass das Radio nicht existiert, begeht er Selbstmord) und Anbindung an eine Welt außerhalb der Ghettomauern. Als die Deportation der Juden ansteht, sind Jakobs Lügen ein letzter Halt und Hoffnungsfunke. Der Erzähler der Geschichte, der als Person wenig greifbar ist, bietet zwei Enden der Geschichte an: Einmal stirbt Jakob bei einem Fluchtversuch, einmal wird er mit den anderen Bewohnern des Ghettos in ein Vernichtungslager abtransportiert. Natürlich ist die zweite Variante die tatsächliche.

Becker fängt die Tristesse und Enge des Ghettos mit seinen spröden Worten perfekt ein. Für mich ist sein Stil allerdings schwer verdaulich, irgendwie trocken und beiläufig, sodass ich mich wirklich mit Anstrengung aufraffen musste weiterzulesen. Dabei ist das wirklich ein Kunstgriff, denn diese Sprache macht das Geschehen sehr „nahbar“, unkünstlich und somit eindringlicher.

Ich danke dir Laura für diese Empfehlung.

3 Gedanken zu “[Buch-Date] Die Einlösung

  1. Puh … Ich kenne bislang nur den Film, der alles andere als „spröde“ und „trocken“ daher kommt. Vielleicht mochte ich den Film gerade deshalb gar nicht so gern. Auch wenn „NS-Literatur“ nicht so meines ist, verlockt mich dein Blick auf das Buch ja fast, auch einmal hinein zu lesen. Vielen Dank dir. 🙂

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