Review: Who’s afraid of Virginia Woolf im Harold Pinter Theatre

Vier Stücke an drei Tagen – und alle hervorragend. Es war ein toller Theater-Trip nach London mit der Singenden Lehrerin (Es hat mir übrigens schon Spaß gemacht, dich mit meiner Abneigung zu „LaLa Land“ zu ärgern, hehe). Schön war auch, dass wir An getroffen haben. Lieben Gruß!

Den Anfang machte Edward Albees Stück „Who’s afraid of Virginia Woolf?“ im Harold Pinter Theatre.

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Uff. Gute drei Stunden wurden wir hier in die Mangel genommen. Als Zaungäste der Afterparty von Martha (Imelda Staunton) und George (Conleth Hill). Die haben nach einer Business-Party von Marthas Vater, dem Universitätspräsidenten, noch gleich den neuen jungen Kollegen aus dem Biologie-Department Nick (Luke Treadaway, den ich schon in „The curious incient of the dog in the night time“ erleben durfte) und seine Frau Honey (Imogen Poots) zu sich geladen. Das junge Paar wird schnell in einen perfiden Ehekrieg hineingezogen, obwohl Nick stets insistiert: „I don’t want to get involved.“ Martha ist schonungslos in ihrer Herabsetzung von George. In ihren Augen hat er es in seinem Leben zu nichts gebracht und hat kein Rückgrat. er sei Nutznießer ihres Einflusses, bzw. dem ihres Vaters und hat es nicht vermocht, darauf eine Karriere aufzubauen. George wiederum wirft Martha ihre Garstigkeit vor und lässt sie entweder auflaufen (was Martha erst recht zur Weißglut treibt) oder er greift sie an, nicht nur verbal.

Gläserweise fließen Brandys in die Kehlen der vier Protagonisten. Auch Honey langt ordentlich zu, was dazu führt, dass sie einen Großteil des Abends im Badezimmer verbringt, wo sie sich übergibt. Nick erzählt von Honeys „hysterical pregnancy“, die zu ihrer Ehe führte, sich dann aber als Scheinschwangerschaft herausstellte. Martha erzählt von ihrem Sohn, was George sofort aggressiv macht. Beide werfen sich vor in der Erziehung versagt zu haben.

Im Verlauf des Abends tanzen Martha und Nick aufreizend miteinander und verschwinden letztlich ins Schlafzimmer. George gibt sich die Aura des Unbeteiligten und liest ein Buch. Als seine Frau und Nick zusammen nach oben gehen wirft er selbiges allerdings aus Wut und Verzweiflung mit voller Wucht an die Wand.

Der Abend gipfelt dann darin das George „get the guests“ spielt und mit einer Geschichte impliziert, das Honey Nick mit einer vorgespielten Schwangerschaftin die Ehe gezwungen hat. Noch dicker kommt es als er die Sprache auf den eigenen Sohn bringt. Martha fleht ihn an, dies nicht zu tun, doch George teilt ihr die Nachricht vom Tod des Sohnes mit. Es wird klar, dass George und Martha nie einen Sohn hatten. Er ist ein Fantasiegespinst Marthas, bei welchem George mitspielt, bis er es in diesem Moment zerstört.

All der berufliche und zwischenmenschliche Frust, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, hat Martha und George in eine selbstzerstörerische Endlosschleife geschickt, aus der sie nicht mehr hinaus finden.

Auch wenn das Stück aus dem Jahre 1962 ist, funktioniert es 2017 immer noch perfekt. Wie bei Tennessee Williams, zu dem es eine kleine Referenz gibt, als George mit Blumen ankommt und sagt „Flores para los muertos“ (Blumen für die Toten – A Streetcar named desire), entlädt sich hier ein gewaltiges Gewitter aus unterdrückten Emotionen, Wünschen und Sehnsüchten.

Die Besetzung hierzu ist grandios, das Quartett spielte perfekt. Hervorzuheben sind natürlich Imelda Staunton und Conleth Hill. Letzteren kannte ich außer als Lord Varys in Game of Thrones gar nicht. Er hat mich nachhaltig beeindruckt. Wie er Georges passiv-aggressives Verhalten darstellte war exzellent. Imelda Staunton als Martha war ein Genuss zu erleben. Was für ein Biest! Dennoch hat sie das Kunststück fertig gebracht, das man ihre Figur nicht hasst. Wirklich: Sie war einfach prima. Treadaway und Poots als junges Pärchen, das in diesen Malstrom des Eheelends hineingezogen wird, waren ebenfalls hervorragend. Wirken sie anfänglich glatt und belanglos nett, offenbaren sich doch auch bei ihnen einige Risse im Beziehungsgeflecht.

Fazit: Volle Punktzahl!

Danach ging es noch an die Stage Door. Als erstes kam das Leckerchen Luke Treadaway heraus, der seine blondierten Locken unter einer blauen Wollmütze versteckte.img_7581

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Conleth Hill war der nächste. Er weigerte sich Dinge zu signieren, die nichts mit dem aktuellen Stück zu tun haben. Ich finde so etwas immer doof, aber bitte.

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Imogen Poots sah auf der Bühne sehr brav und bieder aus. An der Stage Door dagegegen wie eine kleine Indie-Biene. Sehr scheu kam sie rüber.

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Imelda Staunton ließ etwas auf sich warten und Bilder waren nicht erlaubt. Himmel, ist die klein! Gerade mal gegoogelt: 1,52m! Daneben komme ja sogar ich mir vor wie eine Riesin!

Das war ein perfekter Start für unser Theater-Programm!

Ein Gedanke zu “Review: Who’s afraid of Virginia Woolf im Harold Pinter Theatre

  1. Hrmpf, jetzt weiß ich gar nicht mehr, warum ICH noch eine Kritik schreiben sollte, da du eigentlich schon alles gesagt hast… 😉 Wirklich tolles Stück!!!

    Ach, das ist mir ja GAAAAAAR nicht aufgefallen, dass dir das Spaß machte, mir deine La La Land-Abneigung aufs Brot zu schmieren… 😛

    Trotzdem 😉 wieder mal ein toller Theatertrip! Und danke fürs fleißige Fotografieren an der Stage Door! 🙂

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