Review: Travesties im Apollo Theatre

Und Review Nummer Drei. Da wusste ich gar nicht, was mich erwartete. Als die Singende Lehrerin vorschlug, sich das anzusehen, sagte ich einfach blind zu. Es hat sich gelohnt. Himmel, habe ich gelacht!

Henry Carr (Tom Hollander, hierfür frisch für einen Oliver Award nominiert) schaut als alter Mann auf sein Leben zurück. Auf die Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts in der Schweiz. Wo er umgeben war von so illustren Zeitgenossen wie Lenin Forbes Masson), James Joyce (Peter McDonald) und Tristan Tzara (ebenfalls Olivier Award nominiert: Freddie Fox).

Peter McDonald als James Joyce
(c) Johan Persson
Forbes Masson als Lenin und Clare Foster als Cecily
(c) Johan Persson
Tom Hollander als Henry Carr
(c) Johan Persson
Freddie Fox als Tristan Tzara (als wir ihn gesehen haben, war er allerdings erblondet)
(c) Johann Persson

Was folgt sind wunderbar pointierte Dialoge über Kunst, Gesellschaft und Revolution. Und das alles noch angelehnt an Oscar Wildes „The importance of being Ernest“. Das Stück dient als Matrize für „Travestie“, denn der Plot wiederholt sich in Travestie und parodiert den großen irischen Dichterfürsten. Bis Carr, Cecily, Tzara und Gwendolyn endlich zueinander gefunden haben und alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt sind, erleben wir eine irrwitzige (Ver)Mischung von vielen ebenen im Kunst-/Ästhetik-Diskurs.

Rasant ging es da auf der Bühne zu! Tanz- und Gesangseinlagen inklusive. Am Ende haben sich die Pärchen gefunden und alle Verwicklungen sind erzählt, als es doch noch einmal einen kleinen Twist zur Hauptfigur gibt. Herrlich.

Ein Top-Cast hat sich für dieses Vergnügen, das als „Best Revival“ eine Chance auf einen Olivier Award hat, zusammengefunden:

Tom Hollander als Henry Carr, Freddie Fox als Tristan Tzara, Peter McDonald als James Joyce, Forbes Masson als Lenin, Clare Foster (und noch eine Oliver Nominierung) als Cecily und Amy Morgan als Gewndolyn waren alle superb. Nicht zu vergessen auch Sarah Quist (die eine tolle Gesangsstimme hat!) als Lenins Gattin und Tim Wallers als Butler.

Ich hatte eine diebischen Spaß zu sehen, wie Carr Joyce immer mit verschiedenen Frauennamen ansprach (Joyce, Grace etc.), wie sowieso am Podest des Weltliteraten gesägt wurde („He’s unreadable!“). Hahahahaha, stimmt.

Da ich meine Magisterarbeit über Sprachphilosophie und expressionistische und dadaistische Lyrik geschrieben habe, freute ich mich über ein „Wiedersehen“ mit Tzara und seinen Schnipselgedichten. Toll!

Tom Stoppards Stück ist clever verschachtelt und voll fundiertem Sachverstand, Zeitkolorit, Witz und Esprit. Gerade auch Forbes Masson hat mich laut auflachen lassen. Das Stück wirkt absolut frisch, dabei ist es schon von 1974.

Hier wird gehörig auf die Schippe genommen und parodiert.  Ganz schön frech, wie Stoppard hier den Großen von Wilde über Lenin bis Joyce an die Karre fährt!

Eine unbedingte Empfehlung! Travesties läuft noch bis zum 29. April.

Tom Stoppard ist dann auch der Kopf hinter dem nächsten und letzten Stück, das wir in London gesehen haben. Und: Er war sogar selbst zugegen an jenem Abend. Mehr dazu in der nächsten Kritik.

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