Review: Rosencrantz & Guildenstern are dead im Old Vic

So, das ist dann die letzte Review. So viel Theater, so schön!

Manchmal passt einfach alles. Am frühen Nachmittag hat uns Tom Stoppards „Travesties“ erheitert, am Abend lachen wir mit/ über Rosencrantz und Güldenstern. Jup, den beiden Hamlet-Randfiguren. Perfekt, dass wir uns einen Abend vorher die Geschichte noch einmal haben vorspielen lassen.

Gute 50 Jahre hat „Rosencrantz & Guildenstern are dead“ bereits auf dem Buckel. Ich habe vor Jahren die Film-Version mit Gary Oldman und Tim Roth gesehen, die ich auch super fand. Hm, ich besitze die DVD, ich sollte mal wieder reinschauen.

(c) Alastair Muir

Die beiden Gefährten Hamlets stolpern in diesem Stück vor sich hin, wissen sie doch gar nicht genau, was ihre Rolle ist, was um sie herum vorgeht und was alles im universellen Sinne überhaupt soll. Es geht soweit, dass nicht nur andere, sondern auch sie selbst ihre Namen verwechseln. Rosencrantz (Radcliffe) ist hierbei ein wenig der Sidekick von Guildenstern (Joshua McGuire). Und das macht Radcliffe einfach hinreißend! In den Harry Potter Filmen konnte er mich nicht überzeugen. Seitdem sucht er sich aber stets interessante, oftmals „kleinere“ Projekte heraus und spielt Theater. Das tut ihm gut. Ich fand ihn und McGuire wirklich toll. Die funktionieren gut zusammen. Wenn wir schon bei den Lobeshymnen für die Darsteller sind, MUSS David Haig erwähnt werden. Sein player king war G-R-A-N-D-I-O-S!

(c) Alastair Muir

Das Thema Spiel ist übrigens ein Zentrales. The whole world’s a stage…Rosencrantz und Güldenstern sind nicht nur Teil eines Schauspieles, indem sie unbewusst mitspielen, sie vergnügen sich auch mit allerhand anderen Spielen, wie meinem Liebling „questions“. Auf jede Frage muss mit einer Gegenfrage geantwortet werden. Wiederholungen, Zögern und Aussagen sind nicht erlaubt. Das geht auf der Bühne dermaßen schnell, da fliegen einem die Sätze nur so um die Ohren und das ist ein Knaller! Ein Beispiel:

R: Could we play at questions?
G: What good would that do?
R: Practice!
G: Statement! One – love.
R: Cheating!
G: How?
R: I hadn’t started yet.
G: Statement. Two – love.
R: Are you counting that?
G: What?
R: Are you counting that?
G: Foul! No repetitions. Three – love.

Herrlich!

Eingewoben in das Stück sind immer wieder Szenen aus dem „echten“ Hamlet. Und dem Dänenprinzen stehen die beiden einfach ratlos gegenüber. Sie haben den Auftrag ihn abzulenken, bzw. den Grund für Hamlets Trübsal herauszufinden, doch verwirrt er die beiden nur. Unaufhaltsam laufen die beiden ihrem schicksalhaften Ende und somit ihrem Tod zu.

Erneut beweist Stoppard, dass er ein Meister darin ist kluge und beißend komische Stücke zu Papier zu bringen, die mit verschiedenen Ebenen/ Realitäten spielen. Seine Worte und ein paar gute Schauspieler, mehr braucht es nicht, um nachhaltig zu begeistern. Die große Bühne des Old Vic ist fast bis zum hintersten Rand geöffnet, wird aber nur im vorderen Drittel bespielt. Einerseits verleiht das der Bühne Tiefe, andererseits verdeutlicht dies aber auch die Künstlichkeit der Szenerie, weil wir auf die ungenutzte Leere im Hintergrund schauen können, die völlig illusionsfrei einfach nur eine Bühne ist. Das hat mir gefallen.

Tom Stoppard wohl auch. Denn wir entdecken ihn wenige Meter neben uns, wie er auf das Schauspiel unten herabschaut. Ich erkenne, dass er schmunzelt. Nach dem Stück sehen wir ihn noch einmal rauchend an der Ecke draußen vor dem Theater stehen, bevor er dem Produktionsteam einen Besuch abstattet. Wir gehen zur Stage Door, nur um dann von dort weg in eine Schlange gebeten zu werden, in die wir uns einreihen müssen, wenn wir auf Daniel Radcliffe (und nur ihn) treffen wollen. Das war echt krass. Die wartende Menge kann es mit der bei Cumberbatch im Barbican durchaus aufnehmen. Daniel Radcliffe ist irgendwie immer voller Energie. Er vibriert nahezu. Es ist etwas chaotisch und wir stehen dann wieder im Foyer, Radcliffe hinter einer kleinen Absperrung. Er posiert und signiert, was das Zeug hält. Ein guter Typ. Hier schreibt er noch Geburtstagsgrüße, da drückt er auf Handykameras, da umarmt er, da bedankt er sich. Wie nett von ihm. Ich habe dann auch ein Foto mit ihm abgestaubt und damit zu Hause für weit mehr Reaktionen gesorgt, als meine sonstigen Erzählungen von meinen Theatertrips. 🙂 Es folgt ein rares schauwerte-Selfie:

 

Ein Gedanke zu “Review: Rosencrantz & Guildenstern are dead im Old Vic

  1. Oh, das klingt echt toll. Da bin ich direkt ein wenig neidisch. 😉
    Hätte das Stück auch wirklich zu gerne gesehen. Nicht (oder zumindest nicht nur) unbedingt wegen der Besetzung, sondern vor allem weil ich den von dir erwähnten Film mit Oldman & Roth einfach liebe und das Stück daher gerne mal live auf der Bühne erlebt hätte.
    Naja, vielleicht klappt’s ja irgendwann nochmal.

    Schönes Selfie, by the way.

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