Total Recall – Festival des nacherzählten Films

Jeder hat es schon einmal getan, jedem ist es schon einmal passiert. Das Nacherzählen von Filmen ist eine weit verbreitete Kunst, die im Verborgenen blüht. Doch das wird jetzt anders: TOTAL RECALL, das Festival des nacherzählten Films, bietet jedem, ob Filmfreak, Soap-Fan, Gelegenheitskinogänger oder ausgewiesenem Cineasten, die Chance, im öffentlich ausgetragenen Wettkampf einen Film zu erzählen. Das Publikum ist die Jury und entscheidet, wer die „Silberne Linde Duisburg 2017“ gewinnt.

So lautete die Ankündigung im Festival-Programm der Duisburger Akzente. Spaßig fand ich’s und habe mir ein Ticket gekauft. Eine liebenswert-verschrobene Idee Leute auf die Bühne zu stellen, die Filme nacherzählen und das Ganze noch Festival zu nennen. Auch komisch: Man ist für den Vortrag nicht an Kinofilme oder Dokumentationen gebunden, es kann auch ein Homevideo sein, dass man wiedergibt. Das Festivalzelt war leider nur mäßig gefüllt, das gab dem Abend aber auch eine „intime“ Atmosphäre. Da man sich vorab anmelden konnte/ sollte, ging ich davon aus, das hätten Einige getan, aber dem war anscheinend nicht so. Wie bei einem Poetry Slam konnte man sich spontan melden. Das geschah hier nur sehr zögerlich. Der Moderator ließ das Licht im Zelt hochdrehen und starrte in die Menge und versuchte Leute aufs Podium zu locken. Ganz ehrlich: Mir war das unangenehm. Vor allem wenn er dann noch Dinge sagte wie „Ich habe Zeit. Das hat andernorts schon einmal 15 Minuten gedauert, bis sich einer gemeldet hat.“ Wie bitte? Der Mensch, der sich dann erbarmt hat, hat das gemacht, um die anderen von diesem Druck zu erlösen, der dann entsteht in dieser Unentspanntheit.

In zwei Runden ist man dann an diesem Abend dann immerhin doch auf 11 Teilnehmer gekommen, die nacherzählt haben. Als Publikum durfte man sie mit mit Punkten von 0-9 bewerten und der Gewinner, die Gewinnerin bekam „Die Silberne Linde“. Kleines Highlight: Auf dem Preis steht fehlerhaft DÜsburg, statt DUIsburg. Hahahaha.

Folgende Filme wurden uns erzählt:

  1. Ocean’s Eleven
  2. Lion
  3. Mustang
  4. A Different War (Milhama A’Heret)
  5. Vengo
  6. Die Maske
  7. Blade Runner
  8. Original Copy
  9. Apollo 13
  10. Zurück in die Zukunft
  11. Der 13. Krieger

Was für eine Mischung.

Mir gefiel vor allem der persönliche Einschlag, den die Nacherzählungen hatten. Wenn erzählt wurde, warum einem bestimmte Szenen sehr berührt haben, wieso der Film einem nach Jahren noch so im Gedächtnis ist. Das hatte was. Und: Auch wenn hier gespoilert wird, was das Zeug hält, es macht trotzdem neugierig die Filme zu sehen, sei es nur um zu vergleichen. Schön ist es auch, wenn Filmfehler auseinandergenommen werden. Das hat der letzte Kandidat (und verdiente Gewinner) gemacht: Als er berichtete, wie sich Antonio Banderas in „Der 13. Krieger“ als arabischer Kämpfer im Mittelalter aus einem Schwert einen Krummsäbel schleift – da musste ich gut lachen.

Auch wenn es mitunter etwas „krampfig“ und „holprig“ war, war das ein ganz vergnüglicher Abend.

Wer es mal erleben möchte, das „Total Recall – Internationales Festival des nacherzählten Films„, hat am 30. April im Deutschen Filmmuseum Frankfurt dazu Gelegenheit.

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