#participate-Mach dich zum Kunstwerk (Osthaus Museum Hagen)

Ich bekomme ja Beklemmungen von diesen Selfie-Menschen, deren Alltag akkurat in Snaps festgehalten wird und die sich – voll lustig!! – so Hundeschnauzen digital aufs Gesicht setzen. Und von denen, die „Duckfaces“ machen. So total behämmerte Schnuten, die wohl irgendwie so voll niedlich aussehen sollen (Tun sie nicht, Leute! Echt nicht!!). Ansonsten sind Selfies schon OK. Früher hat man das auch gemacht und die Kamera umständlich verkehrt herum gehalten  oder den Selbstauslöser bemüht. Natürlich sind wir jetzt alle viel medialer unterwegs und eine Schwämme eitler Selbstbildnisse flutet die Kanäle.

Das Osthaus Museum in Hagen möchte nun diesen „Trend“ nutzen und hat 24 Exponate im Angebot, vor denen man sich fotografieren lassen kann, bzw. mit denen man interagieren soll und sich dabei knipst. Nebenbei soll man dann Einblicke bekommen in „über 500 Jahre Kunstgeschichte, beginnend bei der Renaissance. So geht die Reise von Botticelli und Michelangelo über Manet und Degas bis hin zu Picasso, Keith Haring und Andy Warhol. Allesamt Werke von Weltruhm, auch von anderen Künstlern aus dem Who is Who der Kunstgeschichte. In den begleitenden, leicht verständlichen Texten erhält man Informationen zu den Künstlern, ihren Werken und den Epochen.“

Leicht, verständlich – die Simplifizierung der Welt (auch ein Digitalisierungs-Fluch – alles wird so weit heruntergebrochen…).

Nun denn. Ich war mit meinen Geschwistern da und wir haben uns dort verausgabt. So sah es dort aus:

Natürlich soll man seine Bilder auf sämtlichen Social Media Kanälen teilen und taggen. Mache ich aber nicht. Und ich pixle unsere Gesichter weg. Ätsch!

Ich muss sagen, dass wir da schon Spaß hatten. Gelernt habe ich über die Exponate (bzw. die Originale) so ziemlich nix und außerdem sehen die selbstgemachten Bilder so aus, als ob man, nunja, halt vor ’nem großen Kunstwerke-Print steht. Ich frage mich, ob das so die Richtung ist, in die wir gehen? Alles schön interaktiv und spaßig. Wenn gewollt, gibt es kleinste Wissenshappen noch nebenbei. Ich gehe wirklich ganz gern in Museen, weiß wie schwer sie es oft haben, finanziell zu bestehen. Ich bin wirklich hin- und hergerissen, was ich von der Ausstellung im Osthaus Museum halten soll. Ist so eine Schau der Weg neues (jüngeres) Publikum in ein Museum zu holen? Oder ist das einfach nur ein Gag und für „richtige“ Kunst interessiert sich die anvisierte Zielgruppe danach ebensowenig/ ebensoviel wie vorher? Und muss man sie bei der Eitelkeit packen (Selfies, Selfies, Selfies)? Ich finde es gut, wenn Museen sich öffnen und mit der Zeit gehen. Aber hier wird einem die Kunst an sich ja nicht geboten, sondern man selbst soll das Kunstwerk sein. Auch ein Ansatz, war auch ne nette Sache wie gesagt, aber es hat mich den Bildern kaum näher gebracht. Sich Poster anzuschauen ist etwas anderes, als die gemalten Originale. Die Wirkung ist einfach anders. Andererseits macht es vielleicht auch neugierig eben auf die echten Werke? Die Neugier habe ich eh in mir, für den Nachwuchs mag das aber zutreffen. Ich will mit dem Ganzen auch gar nicht zu streng sein. Es ist halt mal etwas anderes.

Was meint ihr?

Ein Gedanke zu “#participate-Mach dich zum Kunstwerk (Osthaus Museum Hagen)

  1. Ich fand die „Ergebnisse“ sehr witzig, die Du in Deinem Beitrag gezeigt hast. Da ist sehr viel Potential drin. Wirklich auch „interaktives“ Potential. Denn die gemalten Bilder scheinen mir weiter gedacht. Und zwangsläufig auch weiter gedacht in unsere Gegenwart. Vielleicht wird ihr eine Art visuelle Intelligenz angesprochen, die nicht so viel mit Kunst oder Kunstgeschichte zu tun hat. Vielleicht ist so ein „Event“ zu wenig für eine Ausstellung. Aber als „flankierende Maßnahme“ im laufenden Ausstellungsbetrieb finde ich ein solches Angebot äußerst reizvoll.

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