Ist das lange her: Poetry Slam

Damals, zu Uni-Zeiten bin ich mit Freunden gern und oft zum Poetry Slam gegangen. Die Kneipe hieß Hundertmeister und der Moderator Sascha. Der war immer so ein bisschen drösch, aber auch (unfreiwillig) komisch. Außerdem hat er das wunderbare Lied über die Junge Union gesungen.Über die neue Freundin, die da Mitglied war: „Also log ich und sagte sie sitzt im Gefängnis. Wegen Drogen und Prostitution. […] Ich konnte doch unmöglich sagen „Sie ist Mitglied der Jungen Union…“). An diesen Abenden haben sich Leute aus dem Publikum zum Lesen gemeldet und wir an den Tischen mit unseren Biergläsern durften Jury sein, wenn der Auswahlapplaus nicht eindeutig war. Die Skala ging hier von „naja“ bis „gewaltig“. War das Geklatsche „etwas weniger als gewaltig aber mehr „gut“ musste die Jury entscheiden. Das war schon gut damals. Mit Sushi, dem Slamfisch, der einfach immer unglaublich gebrüllt hat. Und natürlich war auch Sebastian23 ab und an da. Das ist alles so lange her (fast 10 Jahre!). Gestern war dann mal wieder Slam in eben derselben Kneipe wie damals. Nur heißt die jetzt Grammatikoff und der Moderator Jason. Und in der Kneipe ist der Slam auch nicht, sondern oben im Saal. Und Jurys gibt es auch nicht mehr, dafür darf man jetzt „Schinken“ rufen. Was? Ja.
Organisiert wird der Slam jetzt ganz professionell von wortlautruhr. Im Gegensatz zu früher wusste man auch vorab, wer an diesem Abend liest. Sechs Slammer haben sich angekündigt, ich glaube die Hälfte von ihnen war aus Hamburg. Krass. Jason Bartsch als Moderator hat mich sehr zum Lachen gebracht, der war ein Knaller! Vor allem sein Text über den Actionsport Golf hat mich sehr amüsiert! Hahahahahaha.

Es traten immer zwei Slammer gegeneinander an, dann wurde entschieden wer weiterkommt. Wenn die Appläuse (gibt’s das Wort?) keine Entscheidung brachten, sollte der Saal „Schinken“ für seinen jeweiligen Favoriten rufen. Jip, hat super funktioniert (nicht). 🙂

Es waren humorvolle und besinnliche Texte dabei und Sieger wurde Lennart, womit ich sehr einverstanden war. Sein erster Text war ziemlich lustig (er ist etwas moppelig und sprach über eine verlorene Liebe und dem „Light Club“) und der zweite über die vielen Abschiede im Leben nachdenklich aber nicht trübe. Das hat mir gefallen. Victoria Helene aus Hamburg (wie Lennart auch) hatte mich mit dem Text, der wie folgt begann: „Ich wäre so gern eine Schlange, dann könnte ich im Liegen laufen.“ Hahahahaha, sehr gut. Emil aus Oberhausen, bzw. Mülheim sah aus, als müsste er morgen früh raus und in die Schule, ist aber „schon“ 20 und hat ebenfalls nachdenkliche Worte gefunden, die wirklich schöne Bilder in meinem Kopf hervorgerufen haben. Er thematisierte ein bisschen die Haltlosigkeit junger Twens: was kommt jetzt? wie geht’s weiter? Hat mir auch wirklich gut gefallen. Theresa hat schöne Texte, die sie ohne abzulesen vorträgt, die vor allem mit Metaphern spielen. Nicht immer ganz einfach zu folgen, aber auf jeden poetisch.

Kurzum: Nach langer Abstinenz war das ein sehr netter Abend gestern. Ich kann das nur empfehlen (Termine hier). Slam’s not dead!

 

2 Gedanken zu “Ist das lange her: Poetry Slam

  1. Danke für den schönen Beitrag. Er erinnert mich an „früher“, auch wenn es damals bei mir keinen poetry-slam gab. Dafür gab es andere Sachen.
    „Früher“ ist bei mir allerdings schon über 30 Jahre her. Und da bekommt dieses „früher“ nochmal eine ganz andere Dimension.

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