Review: Don Juan in Soho im Wyndham’s Theatre

Der folgende Text ist nicht spoilerfrei.

„Sohooooo“ ertönt Don Juans (David Tennant) Halali über die Bühne. Er ist der unerbittliche Jäger. Wenn es geht jede Nacht eine andere Frau. Ach was heißt schon Nacht? Unzählige Frauen hat sich DJ schon willens gemacht. Bei manchen dauert die Eroberung etwas länger, da muss auch schon mal geheiratet werden, um „ran zu kommen“. Natürlich geht es da nicht um die Frau per se, sondern schlicht um seine eigene Befriedigung. Sein Handlanger Stan  (Adrian Scarborough) muss ein ums andere Mal DJs Schlachtfelder räumen.

In Patrick Marbers Stück geht es aber weniger um Don Juan und die Frauen, sondern um die Beziehung von Don Juan und Stan. Einigermaßen beeindruckt von der sexuellen Anziehungskraft seines Bosses, zwickt Stand doch das Gewissen. Gerade was Elvira (Danielle Vitalis) angeht, an der DJ schon nach der Hochzeitsnacht das Interesse verloren hat. Stan ist in DJs Beschreibung „an unfuckable Hobbit“. Er ist allerdings der einzige, den er nie anlügt. Der einzige Mensch in DJs Leben, der ihm auch nur irgendwie nahesteht. Das Schicksal DJs nimmt seinen Lauf als DJ durch seinen Jagdtrieb eine Schiffskatastrophe herbeiführt, bzw. Elviras Brüder Rache schwören.

Es ist herrlich zu sehen, wie Tennant hier auftrumpft. Er darf sich nur eines sehr langen Blowjobs erfreuen und dabei bizarre Grimassen schneiden, sondern darf sich sonst auch herrlich über den status quo der Gesellschaft auskotzen, die in ihn so nervt, dass er Ablenkung zwischen weiblichen Schenkeln sucht. Dabei gibt es schön Spitzen gen Amerika, gegen einen „charlatan with a fake tan“, einem Orang-Utan an der Macht. Hahahaha. Und wie er sich über Social Media ausließ hat mich auch sehr zum Lachen gebracht: Von der Höhlenmalerei zum I-Phone, zu einer Zeit, in der jeder zu allem eine Meinung habe: „You’re a cook – cook and shut the fuck up! You’re a gardener – garden and shut the fuck up! You’re an actor – aaaaaargh!“ Hahaha, Selbstironie. Prima!

(c) Helen Maybanks

Am Ende erkennt DJ seine eigene Endlichkeit und geht auf Todesflug. Eine beeindruckende Szene, in welcher Tennant auf einem Rad direkt über unseren Köpfen schwebte. Auch im Angesicht des Todes zeigt er keinerlei Reue und tritt mit einem Paukenschlag ab. DJs Tod geht einher mit einem „happy dance“ des Ensembles, was mich irgendwie vor den Kopf stieß. Andererseits nimmt es nochmals DJs Hedonismus auf.

David Tennant war fantastisch, dabei stahl im Adrian Scarbourough fast die Show. Eine fantastische Leistung von ihm, er hat mich oft laut auflachen lassen. Klasse.

(c) Helen Maybanks

Vor dem Stück wird man übrigens vor fauler Sprache, Drogenkonusm und mehr gewarnt. Für mich ja eher eine Empfehlung! 😉

An der Stage Door war ganz schön etwas los und Tennant wurde ganz schön beansprucht mit Autogrammwünschen und den obligatorischen Selfies.

Ein tolles Stück mit viel (galligem) Humor, einem tollen Cast und viel guter Musik und einfach Schwung!

 

5 Gedanken zu “Review: Don Juan in Soho im Wyndham’s Theatre

      1. Keine Ahnung. 😉 Nur eine Vermutung- die ich gleich revidiere, denn ich war ja samstags vorher. Da trug er ihn auch. Hab mich im Wochentag vertan. 😊

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s