Buch-Date: Die Klassiker-Ausgabe. Die Einlösung

Achtung Klassik!  Das Buch-Date diesmal widmet sich den Großen, den Erfolgreiche, den Überdauernden.  Als Auswahlbücher hat mir Susanne von lovely-places Folgendes empfohlen:

F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby

James Gatz erkennt, dass Erfolg eine Frage der Selbstdarstellung ist, und beginnt, den „großen Gatsby“ zu spielen. Er arbeitet sich vom mittellosen Herumlungerer zum Multimillionär hoch und verwirklicht den amerikanischen Traum in der festen Überzeugung, dadurch seine aus einer besseren Familie stammende große Liebe, die inzwischen verheiratet ist, zurückgewinnen zu können.

Auch die Fünfziger in Amerika faszinieren mich. In der Zeit ist der folgende Roman-Tipp angesiedelt, wobei das Buch der Lyrikerin autobiografische Züge trägt. Die Autorin nahm sich vier Wochen nach der Veröffentlichung von »The Bell Jar« das Leben.

Sylvia Plath: Die Glasglocke

Die 19-jährige Schülerin Esther Greenwood ist an Erfolge gewöhnt und hat ein Stipendium für eine der großen Universitäten an der Ostküste in Aussicht. Da fällt ihr auf, dass sie seit ihrem neunten Lebensjahr nicht mehr glücklich war. Schleichend verfällt sie einer Depression. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.

Und zum Schluss gibt’s DEN amerikanischen Gesellschaftsroman der 00er-Jahre. Übrigens bin ich mit dem Autor schon mal in Brooklyn Fahrstuhl gefahren :-).

Jonathan Franzen: Die Korrekturen

Ein Rezensent schreibt dazu: Mit einer Fülle banaler, zum Teil tragikomischer Geschichten veranschaulicht Jonathan Franzen in „Die Korrekturen“ die Sehnsucht nach familiärer Harmonie, zeigt Angst, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit; wir erleben den alltäglichen interfamiliären Psychoterror und missglückte Versuche, die Lebensverhältnisse zu korrigieren.

Meine Wahl: Sylvia Plath. Wieso? Weil die kleine Inhaltsangabe am interessantesten klang. Weil ich den großen Gatsby großartig langweilig finde und weil mir „Die Korrekturen“ einfach zu umfangreich waren. Über 700 Seiten? Dafür brauche ich einfach zu lang. Und meine Wahl war gut.

Eine treffende Zusammenfassung hat Susanne ja oben schon geliefert. Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen. Plaths Sprache ist elegant und präzise und hat mich schnell gepackt. Und Esthers Unsicherheiten, ihre Probleme mit der Erwartungshaltung ihres Umfeldes an sie, habe ich sehr gut nachvollziehen können. Gibt es nicht eigentlich viel zu wenig Bücher mit Protagonistinnen? Schon zu Beginn hat mir Esthers Metapher des Feigenbaums sehr gut gefallen. Mit dem Feigenbaum verhalte es sich wie mit ihrem Leben. An den Zweigen wachsen die Früchte, pflückt sie ein und isst sie, kann es nicht sein, dass da eine andere, noch besser schmeckende Frucht ist? Was, wenn sie die Falsche wählt? Konsequenz hieraus ist Untätigkeit. So verhält es sich doch oft, wenn man Probleme hat sich zu entscheiden. Wenn die Angst vor dem nächsten Schritt und seinen Folgen einen lähmt. Wie sich Esthers Weg in die Depression und zum Entschluss zum Suizid erbarmungslos fortsetzt, ist eine intensive Beschreibung dieses Krankheitsbildes. Sehr nah dran an Esthers Gedanken ist das Buch zugleich auch erbarmungslos für den Leser. Stehen Esther zu Beginn alle Türen offen, lesen wir von ihrer Strebsamkeit, so wird ihre Welt zunehmend enger. Sie entfernt sich nicht nur von ihrer Umgebung sondern auch von sich selbst. Dies geht so weit, dass sie sich selbst nicht mehr wahrnimmt und fremde Gestalten im Spiegel sieht. Sie fühlt sich wie unter der titelgebenden Glasglocke lebend. Und es ist Sylvia Plaths großer Verdienst, dieses Gefühl durch ihre Worte greifbar zu machen. Die Autorin lässt es zum Ende hin offen, ob Esthers Therapie nach dem Selbstmordversuch gelungen ist und sie lebensfähig ist. Plath schickt Esther in eine ungewissen Zukunft und somit noch länger in meine Gedanken, nachdem ich das Buch zugeklappt habe.

Ein wirklich ganz tolles Buch, trotz des wuchtigen Inhalts. Eine weitere Dimension erhält das Leseerlebnis, wenn man sich vor Augen führt, dass Esthers Geschichte viele Parallelen zur Autorin aufweist, die sich dann tatsächlich das Leben nahm.

Das war eine perfekte Empfehlung und ich danke dir sehr, Susanne.

4 Gedanken zu “Buch-Date: Die Klassiker-Ausgabe. Die Einlösung

  1. Hey, gute Wahl! Auch wenn ihr dir zum Great Gatsby widersprechen würde 😉
    Sylvia Plath und Ted Hughes als literarisches Paar sind auch sehr spannend und eine fesselnd-traurige Geschichte!
    Liebe Grüße aus UK!

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