Gesehen: Victoria (2015)

Endlich, dank der arte-Mediathek, habe ich den Erfolgsfilm von Sebastian Schipper aus dem Jahre 2015 gesehen. Berühmt vor allem durch die irrsinnige Tatsache, das der Film in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht wurde. Die Organisation hierfür mag ich mir gar nicht vorstellen.

Warnung: kleinere Spoiler

Die Spanierin Victoria (Laia Coasta) trifft in einem Berliner Club auf Sonne (Frederick Lau) und seine Kumpel Fuß (Max Mauff), Blinker (Burak Yigit) und Boxer (Franz Rogowski). Geile Namen schon, da hatte mich der Film bereits. Sie hängen noch kurz in der nächtlichen Stadt miteinander ab, bis Victoria hineingesogen wird in ein krummes Ding, das Boxer als „Schuld“aus seiner Gefängniszeit bei Andi (wieder mal fies: André Hennicke) ableisten muss. Der Abend nimmt einen äußerst dramatischen Verlauf.

Die Atmosphäre zu Beginn des Filmes war so authentisch, ich habe mich zurückversetzt gefühlt in meine „Ausgeh-Zeit“, wo man in lauen Morgennächten noch so etwas feierte wie „after-hour“.  Allein wie Sonne und seine Freunde Victoria anmachen mit ihrem Deutsch-Englisch-Gemisch ist so liebenswert in seiner Plattheit, das ich mich einfach gefreut habe zuzuschauen. Und jetzt weiß ich auch, das für so richtich echte Berlina Bier „Molle“ heißt. Wieda wat jelernt! Wie Sonne Victoria auf dem Fahrrad durch die Nacht fährt – das war für mich so ein tolles Bild von Jugend, Unbekümmertheit und Freiheit – prima! Den großspurigen Jungs in ihrem Übermut zuzusehen (der dann schnell ganz leise wird, wenn sie auf dem Hausdach ihre Bierchen zischen – die Nachbarn könnten ja meckern- herrlich) war einfach interessant. Ich las, das Drehbuch habe nur 12 Seiten (für 140 Minuten!) gehabt, das vieles improvisiert wurde (aufgrund des schon erwähnten fehlenden Schnittes). Da ziehe ich meinen Hut vor dem Cast!

Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, wie sehr die Geschichte dann kippt. Das hat mich wirklich mitgenommen. Die Kamera klebt immer dicht an den Protagonisten, man ist immer ganz nah dabei. Was ich mich nur fragte war: Wieso macht Victoria mit beim Überfall? Wieso zögert sie nicht eine Sekunde? Da hat die Geschichte für mich etwas gehakt, die ansonsten clever konstruiert war.

Fazit: Ein wirklich toller, origineller Film mit einer hervorragenden Besetzung, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

 

2 Gedanken zu “Gesehen: Victoria (2015)

  1. Was du als Kippen der Geschichte beschreibst habe ich auch so wahrgenommen. Victoria macht hier zu leichtfertig mit und ich hätte weniger Action und mehr Gespräche bevorzugt.

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