Gesehen: The Child In Time

(c) BBC

Der gute Benedict Cumberbatch hat ja immer viel zu tun. Nur leider war da in letzter Zeit bei seinen Projekten nichts dabei, was mich so wirklich aufhorchen lässt. Die Kritiken zum nächsten Kinofilm „The Current War“ sind ja nahezu vernichtend (ich finde Biopics auch meist zu unspannend). Da war ich schon sehr viel mehr an der BBC-Produktion der IanMcEwan-Verfilmung „The Child in Time“ interessiert. Die Zusammenfassung lautet:

„Stephen Lewis, a successful writer of children’s books, is confronted with the unthinkable: he loses his only child, four year-old Kate, in a supermarket.

In one horrifying moment that replays itself over the years that follow, Stephen realises that his daughter is gone. With tenderness and insight, the drama explores a marriage devastated by the loss of a child. Kate’s absence sets Stephen and his wife, Julie, on diverging paths as both struggle with an all-consuming grief. With the passage of time, a balance of sorts returns, until hope surfaces and triumphs unexpectedly.“ (www.bbc.co.uk)

Harter Tobak. Auf dieses von Cumberbatch produzierte Drama habe ich mich echt gefreut. Nun habe ich den Film (ohne das Buch zu kennen) gesehen und bin ernüchtert. Das war…irgendwie komisch.

spoiler alert

Nachdem er seine 4jährige Tochter nur einen Augenblick an der Supermarktkasse aus den Augen gelassen hat, ist sie fort. Was dies mit den Eltern macht, den Horror der Ungewissheit, die Angst – all das erfahren wir nicht. Denn wir springen direkt weiter, sehen, dass die Ehe der Eltern den Verlust nicht überstanden hat, beide getrennte, aber irgendwie ähnlich einsiedlerische Leben führen. Julie lebt in einem abgeschiedenen Strandhaus und gibt Klavierunterricht. Lewis hockt in politischen Ausschüssen zum Thema Kindesrecht und sieht seine Tochter noch wie ein Gespenst in vielen Situationen. Er ist nach wie vor auf der Suche. Es gibt nur wenige Szenen, die zeigen, wie das Paar sich auseinandergelebt hat. In einer sitzt Kate apathisch vor dem Fernseher, Stephen zeigt ihr Suchzettel, die er draußen anbringen wird.

Julie: „She’s not a cat.“

Stephen: „I know she’s not a fucking cat. I’m trying to find her.“

Julie: „Well you lost her.“

Das sind Momente, die einem den Hals zuschnüren, die ich aber auch bei diesem Thema erwarte. Stattdessen gibt es mehr und mehr absurde Momente. So hat Stephens Freund Charles einen Nervenzusammenbruch, zieht sich zurück in die Wälder und verfällt zurück ins Kindliche, bevor er sich das Leben nimmt. Stephen sieht in einem Pub seine Mutter sitzen. Er sieht sie als junge Frau mit ihm schwanger. Die Kinderfiguren sind hier sowieso so oft nebulöse Erscheinungen. In der U-Bahn sieht Stephen einen kleinen Jungen, der kurz darauf verschwunden ist. Und voila: Stephen und Julie werden noch einmal Eltern: „We’re getting a brother.“ Das fand ich als Ende wirklich kitschig und unglücklich.

In einem Gespräch mit seiner Mutter erzählt Stephen, dass er quasi in die Vergangenheit geblickt hat. Sie glaubt ihm, sie hat dieselbe Situation erlebt, also in die Zukunft geschaut: „If you were actually there before you were even born then Kate must be somewhere. You have to keep on loving her. Loving her is different to missing her. It will find her. She is somewhere.“

Anhand des Kindlichen wird ein Diskurs über Zeit angestoßen, geht es ins Metaphsysische. Das wird mir zu verquarkst und gefällt mir nicht. Das verschwurbelte mir die Kerngeschichte, um die junge Familie und deren Verlust. Der Film hat sich da einfach verzettelt und verloren.

Eine Szene, die mir noch eine Weile im Kopf bleiben wird ist die, als Stephen in einer Schülerin seine Tochter zu erkennen glaubt. Drei Jahre nach deren Verschwinden. Er folgt dem Mädchen in die Schule und ist überzeugt, es ist seine Kate. Die Schulleiterin bittet ihn ins Büro und teilt ihm mit, sie kenne das betreffende Mädchen seit seiner Geburt, es könne sich keinesfalls um Stephens Tochter handeln. Ganz langsam fasst Stephen dies auf und die Realisierung ist in seinem Gesicht abzulesen, bis er es schließlich akzeptiert und zusammenbricht. Er hat den Verlust als solchen angenommen. Das hat mich einiges gekostet, das anzusehen. Es war ganz hervorragend gespielt von Cumberbatch. Kelly Macdonald sehe ich auch sehr gerne. Ein Kompliment auch an die Darstellerin der Kate, die so hinreißend natürlich vor der Kamera agiert hat, sie war so bezaubernd!

Fazit: Ein Film, der für mich irgendwie keine Richtung hat und dazu noch dröge wirkt, dafür aber mit einem tollen Cast aufwartet, der allerdings das teils konfuse, nie fesselnde Drama nicht retten kann.

3 Gedanken zu “Gesehen: The Child In Time

  1. Gut zu wissen, dass jemand ähliche Probleme mit dem Film hatte.
    Ich war die ganze Zeit an Wreckers erinnert, zu dem ich auch kein Zugang fand.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s