Gesehen: Shape of Water

Hach, tut das gut. Einen Film schon bei der ersten Minute mögen. Dann mitzittern, hoffen und bangen. Den Bösewicht schnell und inbrünstig verabscheuen und zwischendurch wohlig aufseuftzen.

+++ jede Menge Spoiler!+++

Guillermo del Toros Wassermärchen erinnert zu Beginn arg an „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Elisa Esposito (Sally Hawkins) lebt in einer kleinen süß-schäbigen Wohnung über einem alten Kino im Baltimore der 50er Jahre. Sie ist stumm und arbeitet in einem staatlichen Laboratorium als Putzkraft. Sie hat keine Freunde außer ihrem älteren Nachbarn Giles (Richard Jenkins) und ihre Arbeitskollegin Zelda (Octavia Spencer). Ihr Tage bestehen aus ewig gleich ablaufender Routine, bis eines Tages ein „Ding“ ins Labor geschafft wird. Es ist ein Amphibienwesen, dass Richard Strickland (Himmel, hab ich den gehasst: Michael Shannon) am Amazonas gefangen hat. Im Wettlauf mit den Russen steht der vage Plan im Raum das Wesen für einen „bemannten“ Flug ins All zu nutzen. Elisa ist von der Kreatur schnell fasziniert und baut eine Beziehung zu ihm auf, indem sie ihm was zu essen (Eier) gibt oder ihm Musik vorspielt und ihm etwas vortanzt. Sie ist für das Wesen wie eine weiße Leinwand, die sie selbst mit Farbe füllen kann. Ganz vorbehaltlos.

Strickland misshandelt die Kreatur (er nennt es „zähmen“) und bekommt den Auftrag es zu töten, um es dann zu untersuchen. Sein Kollege Hoffstetler (Michael Stuhlbarg) ist eher daran interessiert, das Wesen in seinem Verhalten zu erforschen und spricht sich gegen eine Tötung aus, was seine Vorgesetzten entzürnt. Hoffstetler ist ein Doppelagent und arbeitet für die Russen. Von jener Seite erhält er die Aufgabe das Wesen zu töten, um das Vorhaben der Amerikaner zu torpedieren. In ihm findet Elisa schließlich Unterstützung zusammen mit ihrer Kollegin und ihrem Nachbarn das Wasserwesen zu befreien und bei sich zu Hause zu verstecken.

Hier kommen die beiden sich weiter näher, auch körperlich. Allerdings verliert die Kreatur an Kraft und muss so schnell wie möglich den Weg in freie Gewässer finden. Es kommt zum Showdown an den Docks…

Es war einfach sehr berührend zu sehen, wie sich zwei Seelenverwandte begegnen und zueinander hingezogen fühlen. Eine wie auch immer erotische Spannung habe ich nicht verspürt, aber wohl die Wesengleichheit (egal wie die beiden auch phänotypisch unterschiedlich sind), die sie zueinander führt. Das war schön! Und ich bin sehr anfällig für die Art von Kitsch, die hier gezeigt wird. Allein der Anfang mit den Aufnahmen der fließenden (englisch „floating“ passt sprachlich besser irgendwie) Elisa in ihrer Wohnung und der Märchenerzählerstimme  – hat mich sofort bekommen. Tolle Bilder! Ich war ad hoc im „Erzähl mir was“-Modus.

Ungleich zu „Amelie“ gibt es hier Gewaltszenen, wo ich wegschauen musste. Ich kann einfach nicht hinschauen, wenn Mensch oder Tier (oder eben ein Zwischending) gequält werden, da leide ich immer sehr mit! Und sehen zu müssen, wie jemandem ins Gesicht geschossen wird und dann in der Wunde rumgepokelt wird zur Folter – bäh!

Ich habe mich in den 123 Minuten keine einzige davon gelangweilt, vielmehr wurden viele Emotionen in mir angestoßen und spannend war es obendrein: „Der Fischmann muss es einfach schaffen“ flüsterte ich bangend meiner Freundin im Sitz neben mir zu. Die war gerade damit beschäftigt wieder über Strickland zu fluchen („Boah, der muss all das zurückkriegen, die Sau!!“). Wir waren also ziemlich mit dabei. 🙂

Mir geht auch immer das Herz auf, wenn so fantasievolle Szenen wie die Liebesszene im gefluteten Badezimmer in großen Bildern schwelgen. Das ist so überbordend – da kann ich mich nie gegen wehren und muss das toll finden. Ein großes „aaaaw“ entfleucht mir auch, wenn der schwule Nachbar immer Limonenkuchen im Café kauft, um mit dem jungen Kellner zu flirten und wir sehen, dass der ganze Kühlschrank voller dieser ekliger Kuchen ist, die er eigentlich nicht mag. Leider ist der Kellner ’n blöder Penner (Noch ein aaw, diesmal ein trauriges).

Ein wirklich schöner Film, der mir in allen Belangen sehr gut gefallen hat. Sally Hawkins erinnerte mich in ihrem Spiel dann sogar an Björks famose Performance in „Dancer in the dark“ (einem der traurig-schönsten Filme aller Zeiten) erinnert, wenn sie singt „You’ll never know how much I miss you“, bevor sie die Kreatur in die Freiheit überlassen wird. *Mein Herz.  Das ist übrigens dieses Lied hier:

Fazit: Ein bildschönes, berührendes Wassermärchen über Seelenverwandschaft, Freundschaft und vor allem Menschlichkeit.

3 Gedanken zu “Gesehen: Shape of Water

  1. „„Der Fischmann muss es einfach schaffen“ flüsterte ich bangend meiner Freundin im Sitz neben mir zu. Die war gerade damit beschäftigt wieder über Strickland zu fluchen („Boah, der muss all das zurückkriegen, die Sau!!“). Wir waren also ziemlich mit dabei.“ Herrlich! Ich glaube, nach der Kritik muss ich den Film doch im Kino sehen.

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