Reisebericht Kreta Teil 3: Phaistos & Knossos

So, jetzt ist Zeit für alten Gammel. Davon hat Griechenland ja reichlich. Und gerade Kreta bietet hier einiges. Als erstes führt uns unser Weg nach Phaistos. Dafür steigen wir morgens in den einzigen Linienbus. Eigentlich müssten wir umsteigen, aber der nette Busfahrer fährt uns direkt nach Phaistos. Wie lieb! Es ist sehr heiß an diesem Sonntag und das ehemalige Palastgelände bietet kaum Schatten.

phaistos

Puh, das war anstrengend. Wie immer finde ich faszinierend mir vorzustellen, was die eigentlichen Bewohner dieses Ortes für Gesichter machen würden, wenn sie mich jetzt durch die Ruinen laufen sähen. Mit meinen komischen Klamotten und Haaren und dem merkwürdigen Technikzeugs. Diesen Palast fand ich schon beeindruckend, auch wenn großenteils nur noch die Fundamente zu sehen sind.

phaistos

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Er ist natürlich nicht so imposant wie Knossos, aber hier war weitaus weniger los und man konnte sich mehr Zeit lassen, die Gemäuer genauer anzusehen. Über Minoer weiß ich nichts. Ist das nicht schlimm? Ich weiß, dass es sie gegeben hat. Mein einziger Bezugspunkt zu ihnen bis dato war das Computerspiel „Age of Empire“, da habe ich oft das Volk der Minoer zum spielen ausgewählt. Das war schon super. Das könnte ich mal wieder spielen. Allein die Soundeffekte bezaubern mich immer noch (Dieses „tüsenöööi“, wenn man einen Hafen gebaut hat, ein ewiger Lacher).

Unser Weg zurück gestaltet sich etwas schwierig. An der Kasse stand ein Bus direkt nach Agia Galini käme gut 30 Minuten, nachdem wir mit unserer Besichtigung fertig waren. Trifft sich ja gut, dachten wir und knipsten noch ein wenig die verlassene Kirche in der Nähe.

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Dann kam der Bus, der fuhr aber nur bis Mires, dort mussten wir umsteigen. Allerdings hat der  Anschlussbus über eine Stunde auf sich warten lassen. Also sind wir durch das wenig aufregende Mires geschlendert und haben uns dann ein erfrischendes Kaltgetränk nahe der Bushaltestelle gegönnt. Wir haben für die Rückfahrt ca. 3 Stunden gebraucht, dabei ist Phaistos von Agia Galini nur ein paar Kilometer entfernt.

mires

Nach Knossos (also hinauf nach Heraklion) fährt man schon ein wenig weiter, deswegen müssen wir für eine Tour dorthin auch wieder früher aufstehen. Um 7:00 Uhr geht es los. Als wir nach Heraklion hineinfahren, macht uns unser kundiger Guide Stella auf den Zeusberg aufmerksam. Hier soll der Göttervater geboren worden sein. Der Berg hat nach wie vor sein Profil, mit geöffnetem Mund.

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Entgegen Phaistos stehen hier in Knossos schon die Reisebusse und die vielen Reisegruppen verbreiten Hektik und Chaos. Ich gönne mir einen irre teuren frisch gepressten O-Saft (4,50€, mein lieber Mann!) und warte ab, bis wir dran sind und unseren Rundgang machen.

knossos

knossos

knossos

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Stella ist ein wahres Laberwunder und erzählt Details über Details und wir hören ihr gern zu.

Tourguide Stella
Tourguide Stella

Die älteren Leute aus unserer Gruppe geben sich allerdings geschlagen. So lang könnten sie nicht stehen und zuhören, sie gingen dann schonmal und würden im Bus warten. Da haben sie leider einiges verpasst. Denn Stellas Beschreibungen der minoischen Kultur (ein anscheinend sehr friedliebendes Volk, in welchem vor allem Frauen auch noch besser gestellt waren als zu anderen Zeiten in griechischer Vergangenheit) waren super interessant. Sie hat sich inmitten des Trubels des Touristenhotspots wirklich Zeit genommen, um uns ein gutes Bild vom Palastleben zu geben. Das hat mir gut gefallen. Dieser Palast ist in seiner Größe auch ein Wahnsinn. Der ging über 4 Etagen (!). Allein diese Baukunst ist schon irre beeindruckend. Und dass sie sich da bereits clevere Wasserleitungen und Toiletten hingebaut haben, während man in unseren Breitengraden noch total primitiv unterwegs war, ist faszinierend. Dass der britische Archäologe Arthur Evans, der die Anlage ausgegraben hat (naja, nicht allein, höhö), allerdings mit fettem, schweren Beton Nachbildungen auf die Ruinen gesetzt hat, damit sich die Betrachter alles plastischer vorstellen können, gefiel mir gar nicht. Es sieht irgendwie „billig“ aus und ist auch total unnötig, meiner Meinung nach. Das von ihm eingesetzte Baumaterial ist übrigens zu schwer und zerstört langsam die antiken Fundamente. Schlimm, schlimm.

knossos

knossos

knossos

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Nach dem gut 2,5 stündigem Rundgang geht es noch in das archäologische Museum in Heraklion. Allein darin könnte man ja Tage verbringen. Krass! Und es lohnt sich immer eine Führung mitzumachen, sonst entgehen einem viele Informationen. Das Knossos-Modell hat mich sehr gefangen genommen. Dass hat mir vieles nochmal klar gemacht. Besser als es die nachträglich errichteten Säulen je könnten.

modell

figuren

diskus

stier

Was für ein fantastischer Bau! Blöde Erdbeben und Tsunamis haben das einfach kaputt gemacht. *seuftz*

Die Geschichten um Minos und seine Familie waren interessant. Natürlich vor allem die des Minotaurus (also pfui, Pasiphae…mit ’nem Stier…blärgh…OK, du warst verhext, aber dennoch! Und pfui auch an dich Dädalus, für das Behilfskonstrukt der hölzernen Kuh…Und natürlich pfui an Poseidon, der die fiese Idee hatte.). Der Palast von Knossos gilt als das legendäre Labyrinth, in welchem er lebte und in welchem seine Opferjünglinge starben (bis der gute Theseus, dank Ariadne, ihn tötete). Beim Blick auf das Holzmodell ist nachvollziehbar wie man auf die Geschichte um das Labyrinth kam. Wie sich Realität und Mythen im Laufe der Historie so verweben, ist immer wieder spannend und manchmal so schwierig zu trennen. Ich habe die Mythen als Kind gerne gehört. Auf den „Erzähl mir was…“-Kassetten, die wir hatten, waren allerlei zu finden. Ich mochte vor allem die Geschichten um Pandora oder um König Midas.

Wir sind nach diesem Tag total vollgestopft mit antiker Geschichte. Wenn das mal alles im Gedächtnis bleiben würde…*seuftz*

 

6 Gedanken zu “Reisebericht Kreta Teil 3: Phaistos & Knossos

  1. Sehr schöner Bericht! 🙂

    An Knossos erinnere ich mich auch noch gut. Ich war 1997 mit meiner Familie auf Kreta und dort haben wir auch das Labyrinth und Museum besucht. Fand ich beeindruckend (und es war soooo heiß!) – gerade erschrecke ich ein wenig, dass dies nun schon 18 Jahre(!) her ist.

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